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Ironman Hawaii: Aerodynamik – Old school vs. Hightech

9. Oktober 2015 von Bernhard Scholz

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Kona Superbikers

Natascha Badmann

Es gibt vermutlich weder bei den Damen noch bei den Herren einen Athleten oder eine Athletin die das Rennen so über ihre Raddominanz bestimmt hat wie Natascha Badmann. Das CAT Cheetah Bike der sechsfachen Siegerin ist dabei so einzigartig wie legendär, und wäre sicher auch heute noch eines der aerodynamisch schnellsten Räder im Feld. Auch in Sachen Laufräder ließ die Schweizerin nichts anbrennen und war meist mit HED Laufrädern unterwegs. Am Hinterrad nutze sie dabei oft sehr hohe Felgenmodelle um möglichst nah an die Eigenschaften eines Scheibenrades heranzukommen.

Karin Thürig

Badmanns Landsfrau, die Profi Radfahrerin Karin Thürig war zwar auf dem Rad ebenfalls fähig die Damenkonkurrenz weit abzuhängen, im Gegensatz zu Badmann war sie aber beim Schwimmen und Laufen nicht in der Lage dies in einen Podiumsplatz umzumünzen. Dennoch kommen vier der zehn schnellsten Damen Radzeiten und der Rad-Streckenrekord  in Kona von Karin Thürig!

Chrissy Wellington

Es gab im Triathlon wohl noch nie eine Person, die so schnell und überraschend in der Weltspitze auftauchte, ein paar Jahre quasi unbezwingbar war, und dann auch wieder komplett von der Bildfläche verschwand, wie Chrissy Wellington. Ihre Zeiten und Erfolge waren sensationell, und ihr Rad war der Beweis, dass der Mensch wichtiger ist, als das Material. In den ersten Jahren ihrer Hawaii Erfolgsliste war sie auf einem Cervélo unterwegs, allerdings nicht auf dem damaligen Topmodell P3 sondern „nur“ auf dem P2.

Chrissie Wellington holt sich den vierten Sieg beim Ironman Hawaii 2011

Auch das später von ihr gefahrene Cannondale Slice gehörte nicht zur Gruppe der „Superbikes“.  Auch die Laufräder ihres Sponsors HED wählte sie meist mit einem sehr gemäßigten Aero Profil (oft nur 40mm hoch). Und doch war sie auf dem Rad immer eine der Schnellsten, wenn nicht die Schnellste. Lediglich ausgewiesene Radspezialistinnen wie Julie Dibens oder Karin Thürig konnten ihr auf dem Rad Paroli bieten, was sich aufgrund Wellingtons Laufstärke aber nach dem zweien Wechsel schnell erledigt hatte.

Steve Larsen

Ein Athlet sagte mal über Steve Larsen: „he passed me like a motorcycle“. Dieser Athlet war aber nicht ein beliebiger Hawaii Starter, sondern Norman Stadler, bekanntermaßen auch nicht langsam auf dem Rad. Beim Ironman 2001 verlor Stadler auf dem Rad sagenhafte zwölf Minuten auf Larsen. Hellriegel verlor 14, der spätere Sieger Tim de Boom 15 und Lothar Leder gar 23 Minuten.
Vermutlich ist es nur dem Wind geschuldet, dass Steve Larsen heute nicht der Halter des Rad Streckenrekordes auf Hawaii ist, denn bei jedem anderen Rennen, das er bestritten hat, pulverisierte er den Streckenrekord. Entgegen vieler anderer Radspezialisten konnte er auch einige große Rennen gewinnen, was ihm aber auf Hawaii nicht gelang. Als Ex-Radprofi, und Inhaber eines Radsportgeschäftes, schöpfte er beim Material aus dem Vollen. Ob mit Aero Bikes, wie dem Lotus, oder später auch mit dem Cervélo P3 – Kompromisse gab es nicht. Der Vision Lenker, den er 2001 auf dem Lotus nutzte, war seinerzeit in Sachen Aerodynamik (und Preis) wie aus einer andern Welt. So nutze er auch verschiedenste Laufräder, je nachdem was er für angemessen hielt. Steve Larsen starb 2009 im Alter von nur 39 Jahren.

Chris Lieto

Auch Chris Lieto war einer der Ex Radprofis, die im Triathlon aktiv waren. Er war dabei auch sehr erfolgreich und konnte sich 2009 den 2. Platz sichern. Wenn er im Rennen war, dann war die schnellste Radzeit des Tages so gut wie vergeben. Ähnlich wie Karin Thürig fuhr er auch einige der schnellsten Männer Radzeiten heraus, und ist wie auch Stadler nach wie vor ein Musterbeispiel für perfekte Sitzposition.

Beim Blick auf die jeweils zehn schnellsten Radzeiten bei Männern und Frauen fällt auf, dass nur zwei der Topzeiten vor dem Jahr  2000 gefahren wurden (Paula Newby Fraser und Erin Baker, beide 1993).  Alle anderen stammen aus den Jahren 2001 bis 2014. Bei den Männern sind fünf der besten zehn Radzeiten aus den letzten beiden Jahren (2013 / 2014). Natürlich hat der Wind auf Hawaii einen großen Einfluss auf diese Zeiten. Aber es zeigt, dass neben den Trainingswissenschaftlichen Aspekten auch das Radmaterial, und speziell die Aerodynamik (natürlich auch die Sitzposition) hier zu großen Fortschritten geführt hat.

Kona 2015 kann kommen, wir sind gespannt wer in diesem Jahr die große Bike-Show auspackt. Mit Kienle, Frodeno, Frommhold und Böcherer sind vier Deutsche am Start, die vorne mitmischen können. Speziell auf dem Rad darf man natürlich auch gespannt sein, ob Andrew Starykowicz einen Angriff auf Stadlers Bestzeit versucht. Am 10. Oktober werden die Karten auf den Tisch gelegt.

Foto: Ingo Kutsche


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Unser Bikeexperte Bernhard Scholz ist Autor dieses Artikels und gelernter Zweiradmechaniker und hat schon so einige Räder prominenter Radsportler verarztet. Der bekennende Triathlet und Materialfetischist gibt unter anderem auch immer wieder gute Tipps bei uns im Forum. Dort treibt er als triQ sein Unwesen.
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