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Ironman Frankfurt: Krimi-Duell zwischen Kienle und Böcherer

3. Juli 2016 von Christine Waitz

Ingo Kutsche,   freiEin Wettkampf, wie er spannender nicht sein hätte können, zeigte sich beim 15-jährigen Ironman Jubiläum in Frankfurt. Ein deutsches Duell an der Spitze, erbitterte Kämpfe auch in der Verfolgung, der Ausstieg der Topfavoritin und ein überraschend offenes Rennen bei den Damen. Die Gewinner des großen Triathlon-Krimis waren Sebastian Kienle und Melissa Hauschildt.


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Zur Fotostrecke des Rennens.

„Ich habe das Gefühlt, ich hätte gerade an die Himmelspforte geklopft,“ sagte Sebastian Kienle im Ziel und wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Das Zielband hatte er zuvor schon kaum mehr in die Luft bekommen. Verantwortlich dafür war Andi Böcherer. Ein deutscher Krimi auf der Marathon-Strecke endete zwar mit einem erneuten Sieg Kienles. Andi Böcherer hatte ihm diesen jedoch wahrlich nicht geschenkt. Doch von Anfang….

Das Schwimmen

Was sich für Profiathleten bereits am Tag zuvor ankündigte, wurde kurz vor dem Start bestätigt: Es sollte nach 2006, 2010 und 2015  zum vierten Mal ein Schwimmen ohne Neoprenanzug geben. Bei Wassertemperaturen von 23,8°C sollten die Altersklassenathleten allerdings Glück haben und vom Neoverbot verschont werden.

Altersklassenathletin Caroline Fey, als ehemalige Leistungsschwimmerin, legte mit 51:05 die beste Damen-Schwimmzeit des Tages vor. Dann folgte die Daniela Ryfs, die nach 53:45, die als Erste aus dem Wasser stieg – oder taumelte. Zwischendurch hatte die Schweizerin laut Ticker schon in Rückenlage gewechselt. Warum, sollte sich bald aufklären. Hinter ihr versuchte indes Natascha Schmitt den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen. 2:12 Minuten waren es bis zum ersten Wechsel.

Eine große Gruppe von Spitzenathleten hatte sich bei den Männern gefunden. Angeleitet von Marco Albert und Denis Chevrot ging es nach 48:12 Minuten Richtung Wechselzone. Johann Ackermann war erster Deutscher. Andreas Böcherer, der nach der ersten Runde noch an Drei schwamm, fand sich auf Rang 13 der großen Gruppe wieder, Sebastian Kienle hatte zum Auftakt vier Minuten Rückstand zu verzeichnen.

Große Überraschung im Damenrennen

Auf der Radstrecke dann schnell die Überraschung: Daniela Ryf musste bereits nach wenigen Kilometern dem neoprenlosen Schwimmen und der Kälte Tribut zollen und aussteigen. Schon zuvor hatte sie deutlich gemacht, dass sie sehr unter der Kälte litt. „Tried everything in swim to not freeze so much. Didn’t help. Came out of water shaking & never recovered from it,“ ließ Daniela Ryf über ihre sozialen Netzwerke verlauten. Ähnlich ging es der Deutschen Diana Riesler, die mit Unterkühlung im Krankenhaus landete. Das vorher sicher erscheinende Rennen war damit wieder offen.

Natascha Schmitt nutzte diese Chance, um sich gleich zu Beginn der Radstrecke an die Spitze zu setzen. Dort behauptet sie sich mit starker Leistung. Bis zu sechs Minuten betrug zeitweise der Vorsprung auf Melissa Hauschildt. In der weiteren Verfolgung fanden sich Daniela Sämmler, Dimity Lee-Duke und Astrid Stienen.

Taktisches Radrennen der Herren

Ingo Kutsche, freiGanz rund lief es bei Sebastian Kienle zum Rennauftakt nicht. Da war nicht nur der ca. vierminütige Abstand zur Spitze nach dem Schwimmen. Mit Ruhe und Konstanz an die Führenden herangearbeitet, musste der Weltmeister von 2014 einen unfreiwilligen Stopp einlegen, um seine abgesprungene Kette wieder zu richten. Nach Kienles Aufholjagd bahnte sich dann ein taktisches Rennen an der Spitze an. Andi Böcherer, Eneko Llanos und Sebastian Kienle belauerten sich. Das Tempo war hoch. Doch keiner kam weg. Der Beginn eines Krimis.

Böcherer mit zweiter Luft

42,2 Kilometer voller Spannung. Kienle wechselte schnell, Böcherer und Llanos hinterher. Erste Schwächen zeigte Eneko Llanos schon in der ersten Runde und die beiden Deutschen konnten davonziehen. Immer wieder sah es aus, als könne Kienle nach vorne ausbrechen. Immer wieder jedoch hielt Böcherer dagegen. Dann schien die unsichtbare Leine zu reißen. Eine Lücke von über eineinhalb Minuten hatte sich aufgetan.
Auf den letzten Kilometern fand Andi Böcherer noch einmal Luft, begann wieder Sekunden vom Polster zu knabbern, und trieb Sebastian Kienle vor sich her. Der erreichte nach 7:52:43 Stunden völlig erschöpft das Ziel, während eine knappe Minute später Andi Böcherer euphorisiert den Römer hinauftanzte.

Ingo Kutsche, frei

Dem Krimi nicht genug. Auch Eneko Llanos hatte ich nach Problemen zurück in das Rennen gekämpft. Zwischenzeitlich war Marko Albert auf den Podiumsplatz gerutscht. Der Spanier lief zwar mit Abstand nach der deutschen Doppelspitze über die Ziellinie, freute sich jedoch über einen knappen dritten Platz nur 30 Sekunden vor dem Esten.

Hauschildt gegen die Deutschen Damen

Ingo Kutsche, frei

Katja Konschak

Lang hatte sich Natascha Schmitt an der Spitze gehalten. Doch mit Melissa Hauschildt – wohl eine der weltbesten Läuferinnen im Triathlon – im Nacken und langer Verletzung in der Vorbereitung, standen die Zeichen nicht gut. So setzte sich Hauschildt noch vor der Halbzeit an die Spitze. Schmitt kämpfte, doch die deutsche Konkurrenz lief immer mehr auf. Erst überholte Daniela Sämmler, dann Katja Konschak. Letztere zeigte einen starken Marathon unter drei Stunden und schob sich noch auf Platz zwei.

Ergebnisse Herren

  1.  Sebastian Kienle, 7:52:43
    2. Andi Böcherer, 7:53:40
    3. Eneko Llanos, 8:09:08
    4. Marko Albert, 8:11:38
    5. William Clarke, 8:14:56
    6. Christian Kramer, 8:18:14

Ergebnisse Damen

  1. Melissa Hauschildt, 9:01:17
  2. Katja Konschak, 9:09:58
  3. Daniela Sämmler, 9:13:23
  4. Natascha Schmitt, 9:16:40
  5. Verena Walther, 9:18:58

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Foto: triathlon.de

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