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Ironman Frankfurt: Frodenos Start-Ziel-Rekordtriumph

5. Juli 2015 von Christine Waitz

Ingo Kutsche, freiFrankfurt, 5. Juli 2015 – Das heißeste Rennen der Geschichte des Ironman Frankfurt. Anstatt dem erwarteten Kampf gegen die Temperaturen wurde das Spitzenrennen zum Kampf gegen die Minuten. Denn Jan Frodeno legte von Beginn an ein Rekordtempo vor und zwischenzeitlich war er sogar auf Weltrekordkurs. Doch dann setzte ihm die Hitze sichtlich zu. Der Weltrekord war dahin, doch der Streckenrekord, Europameistertitel und Sieg beim Ironman Frankfurt geht an Jan Frodeno!


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triathlon.de, freiUm 6:40 begaben sich die Profi-Männer in den Langener Waldsee. Ohne Neoprenanzug – bei den Temperaturen der letzten Tage keine Überraschung. So ging es bei 21 Grad Außentemperatur und 26.8 Grad Wassertemperatur in das Rennen. Das sollte Jan Frodenos‘ werden – das wurde schon beim Schwimmen klar. Sofort setzte er sich an die Spitze, machte das Tempo und setzte sich zusammen mit Andi Böcherer und David Dellow ab. Kurz darauf lässt er auch die beiden Konkurrenten stehen und quert nach 46:02 Minuten die Zeitnahmematte Richtung Wechsel.

Andreas Raelert folgte als Zwölfter nach 49:58 Minuten und Sebastian Kienle nach 50:03 Minuten.

Frodenos Rekordfahrt

Schon nach zehn Radkilometern stoppte die Frodeno-Vorsprungs-Uhr bei 2:23 Minuten über Andreas Böcherer. Ein kurzes Deja-Vu dürfte Frodeno kurz darauf beim Verlust einer Radflasche gehabt haben, der ihn jedoch nicht sonderlich beeindruckte. Denn er flog durch den Main-Kintzing-Kreis.
Sebastian Kienle und Andi Böcherer, dahinter Eneko Llanos und Frederic van Lierde, hatten sich zur Verfolgung formiert und gelegentlich sah es auch so aus, als würde zumindest das deutsche Duo einige Sekunden gut machen. Kurze Zeit später war der Abstand jedoch stets wieder hergestellt. Nach der Hälfte der Radstrecke vergrößerte er sich sogar.
War der Rest der Spitzenathleten einfach langsam unterwegs? Nein! Im Radziel zeigte sich, dass Jan Frodeno bei Rekordtemperaturen einen Rekordsplit auf die Strecke gebrannt hatte. Mit 4:08:44 unterbot er Kienles Radrekord (4:12:14) von vergangenem Jahr um 3:30 Minuten und hatte damit seine Verfolger distanziert.

Wasser marsch!

Frodeno startete ebenso stark in den Marathon, wie er die Radfahrt beendet hatte. Hinter ihm folgten Sebastian Kienle und Andreas Böcherer mit über sechs Minuten Vorsprung. Frodeno zeigte sich dynamisch, Kienle ebenso. Dahinter zogen sich in voller Mittagshitze bei bis zu 35 °C die Abstände schnell auseinander. Erst in der letzten Runde zeigte auch Frodeno, der zwischenzeitlich sogar auf Weltrekord-Kurs war, Anzeichen von Erschöpfung. Eine kurze Gehpause in der Versorgungsstation, dann eine Dusche mit dem Gartenschlauch, in der nächsten Station tunkte er den Kopf kurz in das Wasserbecken – ja, es war heiß. Doch Frodeno besann sich auf seine Strategie vom letzten Jahr, die ihm damals schon zu dem schnellsten Laufsplit verhalf: Versorgungsstation gehen, dazwischen so schnell wie möglich laufen.

Das Tempo blieb also hoch. Es wurde knapp in Sachen Rekordjagd. Sehr knapp. Schließlich blieb die Uhr nach Stunden 7:49:48 stehen. Kursrekord! Europameistertitel! Sieg!
Sebastian Kienle und Andreas Böcherer komplettierten das rein deutsche Podium bei den Ironman Europameisterschaften, Andreas Raelert lief völlig erschöpft auf Platz sechs ein.

Ingo Kutsche, frei

„Ich habe gar nicht realisiert wie schnell ich unterwegs bin“

„Ich habe gar nicht realisiert wie schnell ich unterwegs bin,“ kommentiert Frodeno seinen Höllenritt auf dem Radim Ziel. „Leider muss man dann auf der Laufstrecke dafür Tribut zahlen und die letzte Runde war nur noch Quälerei“.
Sebastian Kienle war froh, das „Survival Camp“ überlebt zu haben: „Auch, wenn das der erste Eindruck der Ziellinie ist – ich denke, das war das härteste Rennen, das ich jemals gemacht habe. Ich habe ja nur gegen die Zeit und gegen mich gekämpft!“

Ryf wärmt sich auf

Caroline Steffen hatte sich im Damenrennen beim Schwimmen in die Führungsposition gebracht und kam nach 52:42 Minuten aus dem Wasser. Michelle Vesterby war knapp hinter ihr, ebenso wie Daniela Ryf und Julia Gajer. Die nächste Verfolgerin ließ dann über fünf Minuten auf sich warten.

Lukas Bartl, frei

Daniela Ryf

Für Steffen begann der Radpart ersteinmal mit einem Defekt am Hinterrad, der jedoch dank technischem Support schnell gelöst werden konnte. Auch Ryf hatte nach dem Wechsel kurz Bodenkontakt und stolperte. Dennoch formierte sich eine Spitze aus den beiden Schweizerinnen und Julia Gajer. Keine schien erheblich schneller als die andere.
Plötzlich jedoch, nach rund 90 Kilometern, konnte Daniela Ryf eine kleine Lücke reißen und ebenso schnell wie diese entstanden war, wuchs danach ihr Vorsprung. Julia Gajer zeigte sich dennoch stark in der Verfolgung bis ins Radziel.

Ryf knackt Streckenrekord

Ryf legte eine schnelle 4:47:51 Stunden Radzeit hin, schneller als Jodie Swallows Rekordfahrt 2013 in 4:50:36. Damit hatte sie sich sieben Minuten Vorsprung auf Gajer herausgefahren. Doch auch Julia Gajer konnte sich von Caroline Steffen absetzen und startete nach kurzer Verwirrung beim Radschuhe-Ausziehen schnell in den Lauf.

Es folgte eine Hitzeschlacht mit schnellen Zeiten der Führenden. Mit einem 1:28:15 Stunden Halbmarathon war Julia Gajer nur einen Tick schneller als Ryf. Die zweite Halbmarathonstrecke jedoch legte Ryf nochmals mächtig zu.
Die Schweizerin durfte nach 8:51:24 Stunden neben dem Vizeweltmeister- nun auch einen Europameistertitel im Ironman feiern. Das Sahnehäubchen des Tages und von Ryfs Sieg: Auch sie knackte den bestehenden Streckenrekord um 24 Sekunden. Den hatte keine Geringere als Chrissie Wellington 2008 aufgestellt. „So eine gute Leistung macht mich natürlich auch zuversichtlich in Hinsicht auf Kona“, freute sich die Schweizerin im Ziel

Ingo Kutsche, frei

Julia Gajer lief mit starkem Rennen nach 9:01:58 Stunden ins Ziel. „Ich kann’s gar nicht glauben! Was für ein Tag!“, fand die Vizeeuropameisterin gar keine Worte im Ziel. „Ich hatte Gänsehaut auf der Laufstrecke.“
Caroline Steffen komplettierte das Podium nach 9:11:55 Stunden.

Ergebnisse Herren

1. Jan Frodeno, 7:49:48
2. Sebastian Kienle, 8:01:39
3. Andi Böcherer, 8:03:49
4. Bas Diederen, 8:05:36
5. Frederic van Lierde, 8:07:09
6. Andreas Raelert, 8:09:53

Ergebnisse Damen

1. Daniela Ryf, 8:51:24
2. Julia Gajer, 9:01:58
3. Caroline Steffen, 9:11:55
4. Sonja Tajsich, 9:19:29
5. Ruth Brennan-Morrey, 9:21:09

Zu den Ergebnissen.

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Fotos: triathlon.de, Ingo Kutsche

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