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Interview mit Marco Sommer von Triathlon-Podcast: „Jeder hat eine interessante Geschichte zu erzählen“

21. März 2017 von Christine Waitz

Marco SommerLange Trainingsstunden ohne Trainingspartner gehören zum triathletischen Alltag. Da greifen viele zum MP3-Player. Aus dem treuen Trainingsbegleiter sprudelt dann nicht nur die präferierte Musik, sondern nicht selten auch ein Triathlon Podcast. Wir haben uns mit Marco Sommer, dem Macher von Triathlon-Podcast, unterhalten.


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Von A wie Andreas Raelert bis Z wie Jürgen Zäck. Er bringt sie alle vor das Mikrofon.  Doch Marco Sommer interessiert sich nicht nur für Profis des Sports. Ebenso befragt er erfolgreiche Altersklassenportler und andere interessante Persönlichkeiten, die im und rund um den Triathlon-Zirkus zu Hause sind. Dabei findet er bei jedem ganz unterschiedliche motivierende Geschichten, einmalige Erlebnisse, interessante Hintergründe – ein hochspannendes Projekt also!

Wie er auf die Idee dazu kam, wen er unbedingt noch interviewen möchte und was seine besonderste Story ist – das haben wir ihn gefragt.

Hallo Marco,

am 24. Februar 2013 ging der Triathlon-Podcast mit einem ersten Interview mit Jan Sibbersen online. Kannst du dich an das erste Interview erinnern? Wie war es damals, und wie hat sich dein Triathlon-Podcast seither verändert?

Foto: Marco SommerJa ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Triathlon-Podcast Interview mit Jan erinnern. Der erste Aufnahmeversuch fand in einem Restaurant mitten in Frankfurt am Main statt. Ich war aufgeregt ohne Ende, mir haben beim Aufbau des Equipments die Hände gezittert, schließlich habe ich keine journalistische Ausbildung gemacht, sondern es mir einfach nur zugetraut, dass ich das machen kann. Mein Glück war, dass Jan ein sehr verständnisvoller Premierengast war!

Nach kurzer Zeit füllte sich dann auch noch das bis dahin noch recht leere Restaurant, so dass wir die Aufnahme abbrechen mussten. Jan war so nett und lud mich zu seiner Sailfish Night of the Year (SNOTY) Veranstaltung nur wenige Tage später ein. Dort haben wir dann am Vortag der Veranstaltung unser gemeinsames Interview reibungslos im Sailfish Office aufgenommen und Jan hat mich bestärkt mit dem geplanten Format fortzufahren und mir noch wichtige Tipps gegeben.

Nach dem Interview mit Jan traf ich damals noch im Sailfish Office auf Triathlonlegende Lothar Leder, der dann noch am selben Tag mein zweiter Interviewgast wurde. Mit diesem guten Start und hochmotiviert gelang es mir am nächsten Abend bei der SNOTY weitere, interessante Kontakte in die Triathlonszene zu knüpfen und so nahm alles relativ schnell seinen Lauf.

Wie kamst du auf die Idee einen Triathlon-Podcast zu machen?

2012 hatte ich einen recht langen Autofahrtweg zur Arbeit, ca. 1-1,5 Stunden Einfach-Strecke. Irgendwann war ich gelangweilt von den verschiedenen Radiosendern und suchte nach etwas Neuem. Die Podcast App ist ja bei jedem iPhone vorinstalliert, so dass man sich recht leicht z.B. per Stichwort „Triathlon“ auf die Suche nach entsprechenden Podcasts machen kann.

Damals fiel meine Wahl auf Competitor Radio (heute Babbittville) von Bob Babbitt und Paul Huddle, die in Interviewform den Werdegang von internationalen Toptriathleten beleuchteten. Ich fragte mich, ob es ein solches Format auch in deutscher Sprache gab, denn schließlich ist die deutsche Triathlonszene auch recht bekannt und groß. Und schon war die Idee geboren. Getreu dem Motto: „Nicht warten, sondern machen und unterwegs lernen!“ habe ich mich dann neben meinem Job in das Thema eingearbeitet und mich mit den erforderlichen technischen Voraussetzungen und dem nötigen Equipment beschäftigt.

Was machst du neben Triathlon-Podcast?

Ich habe seit meinem Abschluss in BWL vor mehr als 10 Jahren in verschiedenen Großkonzernen mit stetig wachsendem Verantwortungslevel gearbeitet. Irgendwann kam dann die Frage auf, ob das wirklich schon alles gewesen sein soll, da ich viele Ideen im Kopf hatte, die ich gerne umsetzen wollte. Als zweifacher Vater ist ein ganz wichtiger Bereich in meinem Leben natürlich die Familie. Familie ist mir wichtiger als jeder Mega-Karrieresprung, der zumeist ja mit entsprechender Arbeitszeit einhergeht. Long story short – ich habe nun das Konzernleben hinter mir gelassen und baue gerade mein eigenes Unternehmen auf, wo ich meine Ideen umsetzen und selbstbestimmt arbeiten kann.

Wer die Laufschuhe schnürt, die Kopfhörer aufzieht und ins Training geht, der hört kurz darauf ein lockeres Gespräch zwischen dir und deinen Gästen. Wieviel Aufwand und auch Vorbereitung steckt tatsächlich hinter einer Episode?

Man kann sagen, dass ein ca. einstündiges Interview ca. 30-60 Minuten Vorbereitung in Form von Kontaktanbahnung, Terminvereinbarung und vor allem Recherche mit sich bringt. Für meine Recherche scanne ich alles was zu der Person in den Social Media Kanälen, in Google und ggf. auf der Website des Gastes zu lesen ist. Dann überlege ich mir Fragen, die mich brennend interessieren. Viele Fragen ergeben sich aber auch ganz einfach von selbst im Verlauf eines Interviews. Zuhören ist halt Trumpf!

Nach dem Interview mache ich mich dann an die Nachbearbeitung. Dabei ziehe ich verhauene Passagen, Füllwörter, etc. raus, nehme Intro/Outro gesondert auf und füge alles zusammen. Danach sende ich dem Gast per Dropbox die finale Version zum ersten Anhören und zur Freigabe zu und erst nach erfolgter Freigabe geht es dann auch live on air.

Um bei dem einstündigen Interview zu bleiben, beträgt der Gesamtzeitaufwand also ca. vier Stunden, da die Nachbearbeitung sehr zeitintensiv ist. Den Aufwand habe ich anfangs unterschätzt (lacht).

Zu jeder Episode gibt es ein Foto mit dir und deinem Gast. Welches Foto ist das Witzigste?

Foto: Marco Sommer

Marco Sommer und Franz Löschke

Hmm, schwer zu sagen. Die ersten Fotos zeigen mich mit einem Schnurrbart, da ich damals die Movember-Aktion mitgemacht habe. Wenn man, so wie ich, der einzige Mann war, der z.B. 2012 auf der Sailfish Night mit einem Schnurrbart rumgelaufen ist, kam ich mir schon ziemlich bescheuert vor. Wenn ich die Bilder heute sehe muss ich immer schmunzeln ;)

Ansonsten finde ich beispielsweise, dass das Bild mit Anja Beranek (Anm. d. Red: findest du im Instagram Account von Triathlon-Podcast) im Cockpit meines Autos auf dem Parkplatz eines schwedischen Möbelhauses im Norden von München stehend auch ganz cool geworden ist. Letztendlich gefallen mir alle Bilder mit den Gästen!

2011 hast du selbst in Frankfurt eine Langdistanz gefinisht. Bist du immer noch aktiv?

Richtig, 2011 Ironman Frankfurt – ein tolles Erlebnis an das ich mich sehr gerne zurück erinnere, auch wenn der Tag selbst alles andere als ideal verlief (es war saukalt und regnete zum Teil in Strömen). Danach bin ich in ein kleines, sportliches Motivationsloch gefallen, vermutlich auch bedingt durch die Geburt unseres zweiten Kindes kurz vor dem Ironman. Mit der Geburt eines Kindes verändern sich ja meist die Prioritäten und auch der Schlaf- und Wachrhythmus ist in der ersten Zeit arg durcheinander. Kurzum, das Training kam zu kurz und mit dem Podcasting, Vollzeitjob und Familie blieb das auch lange so. Erst gegen Ende des letzten Jahres habe ich mich wieder aufgerappelt, mehr Kontinuität rein gebracht und laufe aktuell wieder viel. Sicherlich auch allein schon wegen meines eigenen Sport Coaching Business welches ich Anfang 2017 begonnen habe.

Foto: Marco Sommer

Nachher – Vorher. Marco beim Ironman Frankfurt.

Derzeit bereite ich mich auf mein erstes Hindernisrennen im April in München vor, sowie einen Staffeleinsatz im Rahmen der diesjährigen Challenge Roth. Ich darf bei einer Hardtseemafia Staffel den abschließenden Marathon laufen, worauf ich mich schon riesig freue. Dann will ich noch im August beim RedBull 400, einem Berglauf, der vom Auslauf der Skisprungschanze in Bischofshofen hinauf auf den Absprung führt, mitmachen. Also sehr lauflastig dieses Jahr. Ich plane aber in den nächsten Jahren erneut an Langdistanztriathlonrennen teilzunehmen, dann aber auch gescheit vorbereitet ;)

107 Episoden hast du mittlerweile veröffentlicht. Welche waren für dich besonders eindrücklich? Gibt es Gäste, die du unbedingt noch interviewen möchtest?

Wow, hätte ich auch nicht gedacht das ich irgendwann mal bei 107 Folgen stehen würde und die Half-Ironmandistanz in Kilometer umgerechnet (113km) gar nicht mehr so weit entfernt ist. Das macht mich schon ein bisserl stolz.

Meine Erfahrung der bisherigen Interviews ist, dass jeder Gast etwas besonderes ist. Daher freue ich mich immer wieder auf jedes neue Gespräch und gehe vollkommen unvoreingenommen in ein Interview.

Wer mich sehr beeindruckt hat sind z.B. Agegrouper wie Elmar Sprink, der nach einer Herztransplantation heute auf einem sehr hohen Niveau Ausdauersport betreibt. Dann Reinhold Humboldt, mehrmaliger Ironman AK Weltmeister, mit dem ich mal eine MTB Fahrt im Münchner Umland machen durfte, welche mir gezeigt hat, wie fit und robust er mit Mitte 60 ist (ich habe innerlich geflucht (lacht). Dann Christian Thatje, der an einem Burnout gelitten hat und dem mein Podcast ein stückweit aus der Krise geholfen hat.

Von den Profis hat mich jeder fasziniert, denn jeder hat einen langen Weg hinter sich gebracht, und um ein so hohes, sportliches Niveau  zu erreichen, bedarf es vieler Entbehrungen und absoluter Disziplin und Willensstärke. Im Triathlon wird man nicht von heute auf morgen schnell und erfolgreich, sondern es dauert zumeist Jahrzehnte, um irgendwann einmal die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Super motivierend ist dann natürlich auch, wenn man von den Profis sehr positives Feedback bekommt, z.B. von Sebastian Kienle, der mich mal als den Bob Babbitt des deutschen Triathlonsports bezeichnet hat.

Wen ich noch interviewen möchte? Klar, Top Stars wie Daniela Ryf, Jan Frodeno, aber auch Maurice Clavel, Jan Raphael, Natascha Schmitt, Laura Philipp, Nicole Leder, Natscha Badman, uvm. Und dann natürlich noch viele Agegrouper! Jeder hat eine interessante Geschichte zu erzählen!

Gibt es auch Interviews, die nicht veröffentlicht wurden?

Ja, leider hat die Technik mir bei bislang vier Aufnahmen einen Strich durch die Rechnung gemacht, was mich sehr geärgert hat. Das war besonders in der Anfangsphase.

Zur Website von Triathlon-Podcast.

Fotos: Marco Sommer

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