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Interview mit Jan Raphael: „Es wäre gelogen, zu behaupten, dass nicht auch existenzielle Sorgen vorhanden sind“

5. Februar 2016 von Christine Waitz

WenningImmer das Maximum geben. Diese Eigenschaft brachte Jan Raphael den Spitznamen „Keule“ ein. Über viele Jahre hinweg war es nicht nur zielstrebige, harte Arbeit, die den 36-jährigen das Maximum herausholen ließ. Es war auch ein Team im Rücken, das ihn unterstützte. 2016 jedoch, wird alles anders. Mit Worten des Dankes und „Man muss auch mal was riskieren,“ verabschiedete er sich zu Jahresbeginn aus dem Team Sport for Good. Wir haben uns mit ihm unterhalten.


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Jan Raphael hat zahlreiche Erfolge vorzuweisen. Da ist nicht nur sein Ironman-Debüt 2006 – ein Paukenschlag – bei dem er auf Anhieb das Rennen gewann. Da stehen auch zwei Vize-Europameister-Titel in Frankfurt zu Buche, ein Ironman Sieg in Schweden und etliche Podiumsplatzierungen mehr.

In Jugendjahren schon in Nationalmannschaft und im Hansgrohe Bundesliga-Team, konnte sich Jan Raphael auch zu Beginn seiner Langstreckenkarriere schon auf ein Profi-Triathlonteam verlassen. 2007 wurde er Mitglied im neu gegründeten Dresdner Kleinwort Triathlon Team. Reihte sich neben Norman Stadler und Markus Fachbach ein. 2009 änderte sich der Teamname in Commerzbank Triathlon Team und mit Timo Bracht, kamen auch Marino Vanhoenacker, Matthias Hecht, Maik Twelsiek und Scott Neyedli in die Mannschaft. Mitten in der Saison 2011 dann das Aus von Seiten des Hauptsponsors. 21.com hieß der neue Sponsor, der zu Beginn des Jahres 2012 das Team mit Timo Bracht, Jan Raphael und Horst Reichel, sowie Georg Potrebitsch unterstützte. 2013 folgte die Energiebrause Power Horse,  2015 „Sport for Good“.

Doch was bringt ein Team im Individualsport? Wie haben Jan Raphael gefragt.

Hallo Jan. „Auf zu neuen Taten“ titelst du den neuesten Eintrag deiner Website. Für dich dürfte diese Saison tatsächlich ungewohnt sein. Warst du doch seit 2007 fast durchgehend Mitglied eines Profi-Teams. Wie sehen deine Pläne aus?

Es ist zunächst eine große Herausforderung. Ich habe mich ja bewusst für den Weg als Einzelkämpfer entschieden, mit allen Vor-, aber eben auch Nachteilen. Doch meine Pläne bleiben eigentlich die gleichen wie bisher: ich will Rennen gewinnen. Nach zwei schwierigen Jahren, die von Verletzungen geprägt waren, will ich endlich zurück in die Weltspitze und dafür arbeite ich härter denn je.

Ingo Kutsche, freiTriathlon abseits des Weltcup-Zirkus, wo Team-Taktik vielleicht noch eine Rolle spielt, ist Individualsportart. Welche Vorteile hat man überhaupt, wenn man sich einem Team anschließt?

Die Standardantwort wäre jetzt: man motiviert sich gegenseitig, lernt von den anderen, gewinnt und verliert zusammen, oder der Druck wird auf mehreren Schultern verteilt. Das ist aber nur bedingt so, denn Triathlon ist und bleibt eine Individualsportart und da kann eben nur einer ganz oben stehen, sodass sich die gegenseitige Unterstützung häufig sehr im Rahmen hält. Der eigentliche Vorteil liegt meiner Meinung nach viel mehr im organisatorischen Bereich. Du kannst dich als Athlet besser auf deinen Sport konzentrieren, weil dir die Sponsorenakquise und Medienarbeit größtenteils abgenommen wird. Ich war fünf Jahre im Dresdner Kleinwort Triathlon Team (später Commerzbank Team) an der Seite von Norman Stadler unterwegs. In diesem Teamkonstrukt habe ich mitbekommen, was es wirklich bedeutet , wenn man von Professionalität spricht. Hier wird sich viel zu häufig etwas vorgemacht.

Ohne Team zu sein, bedeutet vor allem einmal etwas Mehraufwand. Eigene Medienarbeit, selbstständige Sponsorenakquise und -pflege, seinen eigenen Weg finden. Was wird 2016 deine größte Herausforderung werden?

Absolut richtig, der Mehraufwand ist spürbar und macht es sicherlich manchmal nicht unbedingt einfacher. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass nicht auch existenzielle Sorgen vorhanden sind. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass mit dem Erfolg alles andere auch wieder zurückkommt. Ich sehe meine Aufgabe als Triathlonprofi primär darin, gute Ergebnisse unter Berücksichtigung bestimmter Werte und Normen wie Fairplay und Respekt zu erzielen, und dabei möglichst Vorbild für die Jugend zu sein.

Ich kenne ja den Weg zum Erfolg und ich bin mir sicher, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Zudem bestreite ich diesen ja auch nicht ganz alleine. Ich habe mit Wolfram Bott einen der kompetentesten Trainer, eine sehr gut funktionierende Trainingsgruppe und der Unterstützung meiner Familie kann ich mir auch sicher sein. Die Herausforderung liegt nur darin, das nun schnellstmöglich auch in gute Rennergebnisse umzumünzen.

Mitglied eines Profi-Teams. Das klingt für viele nicht nur nach optimalem Training, Zusammenhalt, moralischer Unterstützung, sondern auch nach Sicherheit. Fällt man eine Saison verletzungsbedingt aus, ist man dennoch finanziell auf der sicheren Seite. Ist’s denn wirklich so? 

Wann ist man denn als Athlet finanziell auf der sicheren Seite? Ich habe immer das Glück gehabt, dass meine Sponsoren stets zu mir gehalten haben, ob nach einem Ironmansieg, nach meinen zweiten Plätzen beim Ironman in Frankfurt, oder eben auch während der  Verletzungsphasen.

Ralph Schick, frei

Jan Raphael beim Ironman Frankfurt 2014

Traumjob Triathlet. Wenn dein Sohn einmal sagt, er möchte Triathlet werden, wie reagierst du?

Ich würde ihm sagen, er solle sich etwas gescheites suchen! Nein, Triathlon ist eine faszinierende Sportart, die immer populärer wird, und bei der man nicht abschätzen kann, wie sie sich in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird. Wenn er irgendwann Triathlet werden möchte, würden wir ihn da sicherlich unterstützen, allerdings wäre mir Tennis- oder Fußballprofi lieber!

Wir wünschen dir für 2016 alles Gute!

Zur Website von Jan Raphael.

Fotos: Christoph Steurenthaler, Ingo Kutsche, Ralph Schick

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