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Interview mit Edubily: „Der Sportler des 21. Jahrhunderts weiß um seinen eigenen Körper und die Stellschrauben, die es da gibt“

8. Januar 2016 von Christine Waitz

triathlon.de, <a href=ask frei“ src=“http://www.triathlon.de/wp-content/uploads/2016/01/unnamed-150×150.jpg“ width=“100″ height=“100″ />Chris Michalk, Autor und Gründer von edubily, ist Biologe. “edubily” heißt das Projekt Michalks. Eine Wissens-Website, die seit 2014 immer mehr Leser auf sich zieht. Er schafft es, komplizierte Inhalte aus allen Themengebieten rund um Ernährung, Training und Biochemie für Jedermann verständlich aufzubereiten. Das heißt zwar noch lange nicht, dass schwere biochemische Kost zum leserischen Fastfood mutiert. Doch auch ohne Doktortitel werden Prozesse und vor allem Zusammenhänge klar. Wir haben uns mit Chris Michalk unterhalten.


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“edubily” heißt das Projekt Michalks. Eine Wissens-Website, die seit 2014 immer mehr Leser auf sich zieht. Mittlerweile gibt es auch mehrere E-Books, die einige der Inhalte der Website kompakt zusammenfassen: „Das Handbuch zu deinem Körper“, der „Energie Guide“, der „Trainings Guide“ und der „NO Guide“. Bei allen Veröffentlichungen stehen zwei Leitbegriffe im Vordergrund: Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Dabei wird komplexe Biochemie mit den Themen in Verbindung gebracht, mit denen wir uns alltäglich (mehr oder weniger intensiv/ehrlich/bewusst) auseinandersetzen: Ernährung und körperliche Bewegung und deren Einfluss auf uns, unsere Gesundheit, unsere Vitalität, unser Leben.

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Chris Michalk, Autor und Gründer von edubily, ist Biologe. Er schafft es, komplizierte Inhalte für Jedermann verständlich aufzubereiten. Das heißt zwar noch lange nicht, dass schwere biochemische Kost zum leserischen Fastfood mutiert. Doch auch ohne Doktortitel werden Prozesse und vor allem Zusammenhänge klar.Einfacher wird es auch nach der Lektüre „leider“ nicht. Denn was stets klar wird, ist, dass es eben keine Patentlösungen gibt. Dass Gesundheit und Leistungsfähigkeit Prozesse sind, die ständige, reflektierte Anpassungen erfordern. Anpassungen, die alles andere als einfach sind und vor allem Körpergefühl benötigen. Das jedoch, muss man sich immer noch selbst aneignen…

Wir haben uns mit Chris Michalk unterhalten.

Hallo Chris! Wir Sportler investieren häufig viel in unser Hobby mit einem einzigen Ziel: Besser werden. Wenn du eine einzige Investition tätigen dürftest – was wäre es?

Wenigstens einmal eine komplette Blutanalyse, inklusive leistungsbezogener beziehungsweise leistungsrelevanter Parameter wie Ferritin, Magnesium, Zink (idealerweise im Vollblut) oder auch Hormone wie das freie Trijodthyronin (fT3, das aktive Schilddrüsenhormon) oder das freie Testosteron messen und auswerten (lassen). Wir geben bereits viele Tipps, sodass es generell möglich wäre, die eigenen Werte richtig zu interpretieren. Allgemein allerdings gilt, dass man sich am besten Rat bei Experten holt – doch auch hier sollte man vorsichtig sein: Es gibt Experten und es gibt Experten.

Anleitungen zur „besten Ernährung“, zum „idealen Training“ zum „besten Ich“ gibt es unendlich viele. Dennoch hebt sich euere Linie von Anderen ab. In eueren Texten gibt es nicht den simplen Weg, gibt es kein Patentrezept. Dafür findet man Optionen, neue Wege und manchmal auch Kehrseiten der Medaille. Der Leser muss sich mit dem geschriebenen auseinandersetzen, will er wirklich davon profitieren. Gibt es diese Leserschaft überhaupt noch? Man hat’s schließlich gerne simpel…

Definitiv, die Frage ist berechtigt. Ich denke, dass viele Leser zu uns kommen, wenn sie einen gewissen Punkt erreicht haben. Entweder, wenn der Leidensdruck sehr groß ist, oder der in den letzten Monaten oder Jahren betriebene, extreme Aufwand nicht zum gewünschten Zustand führt. An diesem Punkt sind viele Menschen bereit, sich intensiv mit Gedanken und Konzepten hinter diversen klassischen Ausführungen zu beschäftigen.

Im Grunde muss sich ein Leser noch vor der Auseinandersetzung mit einem Text erst einmal  über die Vertrauenswürdigkeit desselben im Klaren sein. Ist die Quelle seriös? Was will der Autor mit dem Text erreichen? Ist der Text gut recherchiert? Berichtet er vielseitig? Gerade jedoch, wenn man kein Fachmann auf dem entsprechenden Themengebiet ist, ist das schwer zu beurteilen. Woran kann man gerade beim Thema Ernährung und Training erkennen, ob ein Text lesenswert ist oder nicht?

Ich würde Mainstream-Literatur komplett meiden. Nachdem ich eine andere Plattform gefunden habe, muss ich den Autor und am besten andere Texte von ihm kennen. Grundsätzlich gilt, dass gute Autoren sehr flexibel und wendig sind bezüglich der Plattform-Themen, bedeutet, er kann adäquat reagieren, auch wenn seine Thesen in Frage gestellt werden, er bildet sich konstant weiter, kann seine Meinung anpassen und hat eine sehr fundierte, spezifische Wissensbasis. Darüber hinaus muss die Inhaltstiefe gegeben sein – viele Autoren sind sehr gut darin, eine schöne Fassade aufzubauen, aber dahinter findet sich nichts. Schafft es der Autor, inhaltlich tief zu arbeiten, den Texten die nötige Differenzierung zu verpassen und dabei auch noch adäquat zu referenzieren, verschwendet man bestimmt keine Zeit.
Natürlich: Der gesunde Menschenverstand darf dabei auch helfen, Seitenaufbau, Sprache, Referenzen, Reputation etc.

Euer Trainingsguide räumt ähnlich schonungslos wie andere Veröffentlichungen mit Unwissenheit und Halbwissen auf. Manch Sportler mag da erst klar werden, dass er eigentlich nur übt und nicht etwa trainiert. Dass er mit der Hälfte der Trainingszeit vielleicht sogar leistungsfähiger wäre. Doch Wissen bedeutet nicht unbedingt, dass man es auch umsetzen kann. Hast du einen Tipp, wie man aus seinen Gewohnheiten, aus seiner Komfortzone dann tatsächlich auch herauskommt?

Ich denke, das Thema Komfortzone gäbe es nicht, würde der motivationale Aspekt stimmen. Hier muss sich jeder Sportler mit sich selbst, seinen Gedanken, Wünschen und Vorstellungen, intensiver auseinandersetzen, so, dass das Gehirn auch die Möglichkeit hat, Motivation entstehen zu lassen. Einige brauchen dafür eben Krankheit oder eine andere Art eines Leidensweges. Im Grunde gibt es auch dafür kein Patentrezept, allerdings sollte sich jeder Sportler selbst definieren und sich ganz klar und deutlich vor Augen führen, wer er ist, was er will und wie er diese Ziele erreicht. Das eigentliche Geheimnis, wenn es denn eines gibt, ist, dieses Ziel vor dem inneren Auge zu halten.

Foto: Christine Waitz, freiIn Sportlerkreisen wird das Thema Ernährung häufig mit großer Emotionalität diskutiert. Nicht selten tun sich hier gar erbitterte Lager auf. Warum sagt uns unser Körper eigentlich nicht einfach selbst, was er gerade benötigt?

Das tut er. Ein gesunder Stoffwechsel braucht sehr sicher keinen Ernährungsratgeber. Nur dafür muss das System Körper funktionieren. Wir Menschen schaffen es leider immer wieder – nachweislich – dieses System entgleisen zu lassen und den Rahmen zu verziehen. Die Biochemie muss stimmen, nur dann kann das eigene System auch die richtigen Entscheidungen für uns treffen, sofern wir sie wahrnehmen und umsetzen.

Und als ob das alles nicht schon kompliziert genug  wäre, sollte man sich als Sportler auch noch mit verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln zusätzlich versorgen. Oder etwa nicht?

In erster Linie sollten Sportler die Bedeutung von Ergänzungsmitteln neu lernen, die vielen, stark negativen Assoziationen fallen lassen. Es geht sehr sicher nicht darum, jedes erdenkliche NEM zu kaufen und zu nutzen. Auf der anderen Seite sollten gerade Sportler ihr eigenes Biochemie-Labor (den Körper) kennenlernen, um geschickt und punktuell zu intervenieren. Der Sportler des 21. Jahrhunderts weiß um seinen eigenen Körper und die Stellschrauben, die es da gibt.

Dieses Interview ist auch erschienen im triathlon.de MagaLog.

Zur Website von Edubily.

Fotos: triathlon.de

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