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Interview mit den SwimRun Urban Challenge-Machern: „Dann machen wir halt drei“

16. Mai 2017 von Christine Waitz

Vor rund fünfzehn Jahren wurde eine neue Form des Ausdauersports geboren. SwimRun sollte die Disziplin später getauft werden, die – wie sollte es anders sein – bei einer Kneipenrunde entstand. Vier Schweden wollten ohne Boot eine Strecke zwischen zwei Inseln überwinden und dabei alle dazwischenliegenden Inseln überqueren, auf dreien zudem in einer Bar einkehren. Das erste offizielle ÖTILLÖ Rennen, übersetzt „von Insel zu Insel“, fand 2006 statt. Ohne Kneipenbesuch. Mittlerweile gibt es nicht nur die ÖTILLÖ-Serie auch in Deutschland, sondern immer mehr eigenständige SwimRun Veranstaltungen. Neu 2017: die SwimRun Urban Challenge. Wir haben uns mit den Organisatoren unterhalten.


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Florian Skiba und Swen Klußmeier organisieren die SwimRun Urban Challenge in diesem Jahr an gleich drei Standorten. Am 23. Juni startet die Serie mit der „SwimRun Urban Challenge Nord“ im Stadtpark Norderstedt bei Hamburg. Weiter geht es am 17. September bei der „SwimRun Urban Challenge Ruhr“ rund um den Baldeneysee in Essen. Das Finale steigt am 1. Oktober bei der „SwimRun Urban Challenge“ am Unterbacher See in Düsseldorf.

Hallo Florian, hallo Swen,
als Schwimmer und Triathleten seid ihr schon lange im Ausdauersport aktiv. Wann ist euch das SwimRun Format das erste Mal untergekommen und was dachtet ihr als Schwimmer, beziehungsweise Triathlet, damals von der neuen Disziplin?

Florian: Das erste Mal sind wir 2015 auf Empfehlung von einem Freund über das Format gestolpert. Gerade weil ich schon so lange Triathlon mache, hat mich die Idee, mal was Neues auszuprobieren sofort gereizt. Durch die ständigen Wechsel von Schwimmen und Laufen bietet so ein SwimRun einfach mehr Aktion und Abendteuer als ein Triathlon.

Swen: Neben der Tatsache, dass wir sofort „Bock“ auf ein Outdoorsport-Wochende in Schweden hatten, war es damals eine Mischung aus Spannung, Neugier und auch etwas Unsicherheit. Beim SwimRun läuft man mit Neo und schwimmt mit den Laufschuhen, außerdem sind Paddles und Pullbuoys als Hilfsmittel erlaubt. Da kommen schon einige Unwägbarkeiten zusammen… Wir waren aber dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, heiß wie „Frittenfett“ auf unseren ersten SwimRun.

Florian Skiba und Swen Klußmeier: „Dann machen wir halt drei“

Florian möchte 2017 beim Hamburg Marathon nochmals (nach 1999) unter drei Stunden bleiben, Swen hat sein erstes Ironman-Finish im Blick. Daneben organisiert ihr gleich drei neue Rennen. Das klingt nach einem vollen Terminplan? Habt ihr daneben noch Jobs?

Florian: Haha, gute Frage! Ja, wir haben beide noch reguläre Jobs – zum Glück sind wir in diesen einigermaßen flexibel. Der Terminplan ist auch wirklich sehr voll – aber als Sportler weiß man, ja was es heißt, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Ohne Fleiß kein Preis – oder eben „No pain, no gain“! Man muss im Privaten, beim Sport und bei der Organisation ständig priorisieren. Wir versuchen bei allem Stress, unsere Leidenschaft für den Sport und das wirklich tolle Format nicht aus den Augen zu verlieren und  die schönen Dinge besonders zu genießen.

Von wegen, klein anfangen – ihr plant gleich drei neue SwimRun Rennen! Wie kam es dazu?

Florian: Ach das ist schnell erzählt. Wir wollten auf jeden Fall mit einem Event in 2017 starten. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir bei allen drei Events die Genehmigung bei den Behörden angestoßen – und auf einmal waren alle genehmigt. Da haben wir uns gedacht „Attacke“, dann machen wir halt drei.

Swen: Da ich inzwischen in Köln wohne, haben sich neben Hamburg auch Düsseldorf für das Rheinland und Essen für das Ruhrgebiet als Austragungsorte angeboten. Drei SwimRun-Events in Jahr 1 sind natürlich ’ne Menge Holz, aber so können wir die Standorte optimal betreuen. Wir hoffen natürlich direkt im ersten Jahr auf große Resonanz. Wenn alles gut läuft, gibt es dann in 2018 noch mehr attraktive Urban SwimRun-Events in weiteren deutschen Großstädten.

SwimRun bedeutet eigentlich ein reines Naturerlebnis. Im Gegensatz zum Triathlon braucht es kaum Infrastruktur. Stattdessen geht es durch die wildesten Gebiete über Stock und Stein. Ihr bringt SwimRun mit der Urban Challenge nun zurück in die Städte. Ist das nicht ein Widerspruch zum ursprünglichen Konzept?

Florian: Bei den aktuellen Wettkämpfen, steht das „Urban“ noch eher für ‚zentrumsnah‘ als für einen Wettkampf im Großstadtdschungel. Die Strecken liegen alle in Parks, an Seen, in Wäldern bzw. in Naturschutzgebieten – also quasi Natur pur wie in Schweden, dort gibt es u.a. auch einen SwimRun direkt in Stockholm – nur eben vor der Haustüre von deutschen Großstädten.

Swen: Unsere Idee ist aber nach wie vor, die SwimRuns direkt in die Städte zu bringen – es gibt in ganz Deutschland tolle Strecken vor spannender urbaner Kulisse mit Brücken, Parks, Hafenbecken, etc., also wie ein großer Abenteuerspielplatz. Gerade diese Kombination ist aus unserer Sicht sehr attraktiv – für Teilnehmer UND Zuschauer. Der Triathlon im Düsseldorfer Medienhafen und der bekannte Hindernislauf „Urbanathlon“ im Hamburger Hafen, den wir beide lieben, sind hervorragende Beispiele.

Lasst Euch überraschen. Im nächsten Jahr sind wir dann vielleicht auch schon so weit – natürlich immer vorausgesetzt die Behörden spielen mit.

Erlaubt ihr uns einen kurzen Einblick in das Leben eines Renndirektors? Was sind die größten Herausforderungen? Was ist wirklich nervig und was sind die Highlights?

Florian: Ach nervig ist eigentlich nichts – wir arbeiten ja auf ein schönes Ziel hin. Am zeitaufwendigsten ist sicher die die Abstimmung mit den Behörden – aber nur weil es so viel zu klären gibt . Die Behörden sind in allen Städten total hilfsbereit und unterstützen uns echt toll. Ein Highlight war sicher, unser erstes Plakat aufzuhängen und zu sehen, dass es ein großes Interesse in der Triathlon- und Fitness-Szene gibt.

Swen: Die größte Herausforderung ist gerade im ersten Jahr, die wirklich wichtigen Dinge anderen, nicht ganz so Wichtigen, vorzuziehen. Neben der reinen Organisation ist es natürlich extrem wichtig, dass wir möglichst viele potentielle Teilnehmer erreichen. Da kann man in der Kommunikation natürlich eine Menge machen. U.a. bieten wir auch eine Firmenwertung an und sind Ausrichter der ‚Betriebssportmeisterschaft im SwimRun‘ in Hamburg und Schleswig-Holstein. Ein besonderes Highlight für mich war die positive Abstimmung im Naturschutzbeirat – zwingende Voraussetzung für die Freigabe des SwimRun am Unterbacher See in Düsseldorf.

Hamburg, Essen, Düsseldorf – wenn ihr euch für eine Veranstaltung entscheiden müsstet, bei welcher würdet ihr selbst antreten und warum?

Florian: Na als geborener Hamburger natürlich die Urban Challenge Nord! Im Ernst, das ist ein wirklich attraktiver Kurs auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau, sehr abwechslungsreiche Laufstrecke, sauberes Wasser, viel Publikum. Hmm, wenn ich drüber nachdenke, vielleicht aber auch das Event Düsseldorf am Unterbacher See – ist von der Strecke sehr ähnlich –super Schwimmstrecken aber mit Laufpassagen durch einen großartigen Wald,  … . Naja, als Race Director darf ich ja sowie so nur zugucken … da habe ich zum Glück nicht die Qual der Wahl.

Swen: Mein Herz schlägt nach wie vor für Hamburg und ich freue mich deshalb auch sehr auf unsere Premiere im Stadtpark Norderstedt. Vom Anspruch und von Streckenattraktivität her würde ich sehr gerne beim „Hill Climb Baldeneysee“, unserer SwimRun Urban Challenge Ruhr, teilnehmen. Hier warten auf die Teilnehmer neben Schwimmstrecken durch die aufgestaute Ruhr eine tolle Laufstrecke mit etwa 350 Höhenmetern. Da schlägt mein SwimRun-Herz direkt höher!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Zur Website der SwimRun Urban Challenge.

Fotos: SwimRun Urban Challenge

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