Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Training > Medizinisches > Expertenserie mit Rainer Wittmann: Erste Hilfe wenn es zwickt
Training Triathlon.de

Expertenserie mit Rainer Wittmann: Erste Hilfe wenn es zwickt

13. Oktober 2016 von Christine Waitz

Foto: Christine Waitz, freiFast jeder Sportler ist davon betroffen. Es startet mit einem kleinen Zwicken und entwickelt sich zu einer ausgewachsenen Verletzung, die ein Training verhindert. Bevor guter Rat teuer wird, gibt unser Experte Rainer Wittmann, Physiotherapeut und Heilpraktiker, Tipps zur ersten Hilfe.


Triathlon Anzeigen

Rainer Wittmann ist Physiotherapeut und Heilpraktiker. Er hat seine Praxis inmitten des sportbegeisterten Landkreises Roth, in Hilpoltsein. Entsprechend sieht auch seine Patientenliste aus. Viele Sportler setzen auf seine Hilfe. Die individuelle, gezielte und aus zahlreichen Ausbildungszweigen schöpfende Diagnose bringt Probleme schnell ans Licht und verhilft zu schnellerer Genesung.

Besonders Triathleten sind selten von akuten Verletzungen wie Knochenbrüchen oder Sehnen- und Bänder Abrissen betroffen. Meist handelt es sich beim Ausdauerdreikämpfer um Überlastungsschäden durch zu hohe Umfänge oder Intensitäten. Welche Rolle spielt die Herkunft der Verletzung in der Behandlung?

Natürlich spielen Ursache und Herkunft der Verletzung eine maßgebliche Rolle bei der Behandlung. Denn aus ihr heraus ergeben sich die weiteren Behandlungsschritte, die Intensität der Behandlung, oder eben auch eine Trainingspause für den Sportler.
Auch muss man beachten, ob die Verletzung plötzlich gekommen ist, oder sich von „ein bisschen gezwickt“, nach „schlimmer geworden“, bis hin zu „jetzt geht nichts mehr“, gesteigert hat. So etwas lässt auf den Ursprung der Verletzung tippen. Natürlich müssen Diagnose und Befund das noch untermauern, doch dann kann man die Verletzung ursachennah und, für den Sportler wichtig, zeitnah ausbehandeln.

Das zwicken in der Muskulatur wird schon nicht zu schlimm sein, mag sich manch einer nach einer intensiven Einheit denken. Wie unterscheidet man „normale“ Belastungserscheinungen von einer sich anbahnenden Verletzung?

Foto: Christine Waitz, frei

Bei einer normalen Belastungserscheinung ist es so, dass wenn man eine Nacht darüber schläft, die Regeneration es am nächsten, spätestens aber am übernächsten Tag ermöglicht, wieder schmerzfrei zu trainieren. Wenn man den Bewegungszyklus dann erneut in gleicher Ausführung und Anstrengung macht und der Schmerz wieder auftritt, dann weiß ich, dass sich eine Verletzung anbahnt, oder möglicherweise bereits passiert ist.

Jetzt ist es passiert. Ich kann mich kaum Bewegen, der Muskel ist verhärtet, an Training ist nicht zu denken. Wie sollte meine erste Hilfe aussehen?

Die erste Hilfe ist der Abbruch des Trainings. Auf keinen Fall sollte man gegen den Schmerz arbeiten. Die Pause über Nacht und das vorsichtige Ausprobieren am nächsten Tag geben Hinweise darauf, wie ernst die Lage ist.
Im nächsten Schritt sollte man vorsichtig dehnen, leichte Bewegung ohne Schmerz absolvieren, sowie das Stabilisationstraining aufnehmen. Falls wieder ein Schmerz auftritt, muss man einen Gang zum Behandler erwägen. Beim Dehnen empfiehlt es sich Hilfsmittel, wie eine Blackroll, oder einen Tennisball einzusetzen. Damit kann man betroffene Stellen sehr gut selbst massieren und behandeln.
Bei verhärteten Muskeln wäre es zudem wichtig, ausreichend Wasser zu trinken, und zusätzlich Magnesium und Calcium einzunehmen.

Kann ich den verletzungsbedingten Trainingsausfall durch andere sportliche Tätigkeiten kompensieren, oder riskiere ich eine Verschlimmerung?

Eine Kompensation ist abhängig von der Art- und Weise der Verletzung. Man kann zum Beispiel bei einem Schienbeinkantensyndrom fehlendes Lauftraining zumindest durch Aquajoggen oder Radfahren ausgleichen. Am besten weicht man auf eine andere Bewegungsart aus, die der ursprünglichen ähnlich ist. Zum Beispiel kann man die Schwerkraft reduzieren (Training im Wasser), oder man nimmt ganz andere Bewegungsmuster oder -zyklen her. Anstatt zu laufen geht man dann eben klettern. Manche Dinge erfordern aber auch zwangsweise eine Pause. Sonst riskiert man bei weiterem Training eine Verschlimmerung.

Gar machtlos mag sich der ein oder Andere Sportler dem häufig wiederkehrenden Verletzungspech gegenüber fühlen. Gibt es denn keine Strategie um den leidigen Trainingsausfällen vorzubeugen?

Wenn man auf ausreichendes Trinken, Schlafen und Dehnen, genug Stabilität im Rumpf und angemessenes Essen achtet, dann kann man Trainingsausfälle reduzieren. Trotzdem wird man hin und wieder vom Verletzungspech heimgesucht. Das ist dann vielleicht einfach nur Pech, oder kann zum Beispiel auch psychische Ursachen haben.

Manchmal kommt man um Hilfe durch einen Therapeuten nicht herum. Physiotherapeut, Heilpraktiker, Osteopath oder Orthopäde? Wer hilft mir weiter und wie finde ich den richtigen?

Zunächst ist es wichtig, dass ich zu dem Behandler Vertrauen habe und dass ich ihm gegenüber stets offen sein kann. Hilfreich ist es außerdem, wenn der Behandelnde Erfahrung mit Sportverletzungen und Sportlern hat. Wenn ich nicht bereits auf frühere gute Erfahrungen zurückgreifen kann, bietet häufig die Mundpropaganda in der örtlichen Sportlerszene gute Anhaltspunkte, wo man kompetente Hilfe finden kann.

Neugierig geworden? Dann können wir euch das Seminar von Rainer Wittmann und Fritz Buchstaller empfehlen.

Foto: triathlon.de

Triathlon.de Anzeigen

Triathlon beliebt

 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden