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Eiserne Ruhr: Sieben Langdistanzen für einen guten Zweck

23. Juni 2014 von Thorsten Ziebart

Stefan Thielen 3Stefan Thielen hat sich ein Mammutprojekt vorgenommen. Sieben Langdistanzen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Mit seinen gesammelten Spenden während der Aktion möchte er das Kinderhospiz Balthasar unterstützen. Das Besondere, neben dieser außergewöhnlichen Herausforderung, Stefan ist kein Profi Triathlet, er macht das Ganze nebenbei. triathlon.de sprach einige Tage vor Beginn der Aktion mit ihm.


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Stefan, in sechs Tagen am 22.06.2014 geht es los. Wie lange hast du dich nun auf das Projekt vorbereitet?

Stefan Thielen: Die spezifische Vorbereitung hat im Oktober begonnen. Seitdem habe ich rund 150 Kilometer im Wasser, etwa 6000 Kilometer auf dem Rad und gute 1200 Laufkilometer zurückgelegt. Mit Beginn der heißeren Phase zu Jahresbeginn hat mein Trainer das Programm intensiviert, so dass ich regelmäßig 14-Tages-Blöcke absolviert habe, nach denen jeweils vier Tage Pause anstanden.

Wieso ausgerechnet sieben Langdistanzen in Folge?

Stefan Thielen: Im vergangenen Jahr bin ich erstmals bei einem Double Ultra an den Start gegangen, also der zweifachen Langdistanz. Was mich sehr erstaunte war, dass ich lediglich mit Blasen zu kämpfen und darüber hinaus eher wenig Probleme mit Strecke, Verpflegung oder meinem körperlichem Zustand hatte. Der Wettkampf hat mich unglaublich begeistert – und das, obwohl die Zeitmessung mitten während des doppelten Marathons ausgefallen ist und letztlich kein offizielles Endergebnis verfügbar war. Ich liebte die Bodenständigkeit, diese Besinnung auf das Athletische und diese, wie ich es empfunden habe, vollkommen Abkehr vom Materialwahn der populären Distanzen. In der Folgezeit habe ich den Weg vom Vegetarismus zum veganen Lebensstil gefunden und bin unweigerlich über den veganen Triathleten Rich Roll gestolpert. Er forderte sich selbst im „Epic 5“, einer selbst geschaffenen Ultra-Ausdauer-Aufgabe, wobei er in sechs Tagen fünf Ironmans auf den fünf hawaiianischen Inseln hinter sich brachte.

Wie kamst du auf die Idee?

Stefan Thielen 2

Stefan Thielen: Vom ersten Augenblick an war ich fasziniert von der Idee und von der Vorstellung, immer in Bewegung zu sein und gleichzeitig durch den Ausdauersport in mir zu ruhen, in gewisser Weise aus der Kraft zur Ruhe zu kommen. Ausdauersport, Ultra-Ausdauersport zumal, hat etwas Besinnliches, etwas Beruhigendes, das mit nichts zu vergleichen ist. Eine ähnliche, noch bodenständigere Ruhe habe ich im Ruhrgebiet gefunden: dort, zwischen den sieben Großstädten entlang des großen Flusses, erstrecken sich meine Trainingsgebiete, hier fühle ich mich zuhause. Die Idee, beides miteinander zu verknüpfen, war nur der logische, nächste Schritt.
Gleichzeitig war der Gedanke des Zurückgebens immer präsent. Der Sport hat mir in schlechten Zeiten sehr viel Halt gegeben. Viele kennen das Gefühl vielleicht, Sorgen einfach wegzujoggen. Mir war der Sport jahrelang eine große Stütze, auf den ich mich verlassen habe, wenn ich es auf Menschen oder Gegebenheiten nicht mehr konnte.

Hast du schon mal etwas vergleichbares gemacht?

Stefan Thielen: Meine längste Erfahrung waren knapp 27 Stunden beim Double Ultra Emsdetten, also in gewisser Weise: ja, ich habe bereits etwas Vergleichbares gemacht. Dann wiederum sind sieben Ironman-Distanzen in sieben Tagen nicht nur eine körperliche Herausforderung von nie gekannter Intensität, auch über die Logistik habe ich mir seit dem ersten Tag der Vorbereitung den Kopf zerbrochen. Immerhin braucht es einundzwanzig Strecken, an denen ich natürlich auch ausreichende Verpflegung brauche.

Dein Highlight bei der Vorbereitung?

Stefan Thielen: Früh um sechs Uhr, noch vor der Arbeit, für fünf Kilometer ins Wasser zu steigen, verleiht ein völlig euphorisierendes Gefühl von Morgenfrische. Wunderbarer kann ein Tag kaum starten.

Wer wird dich supporten? Und wie können unsere Leser dir noch helfen?

Eiserne Ruhr, einmalig

Stefan Thielen: Ich habe ein kleines, treues Team für die Idee gewinnen können. Mein Bruder und meine Freundin werden die ganze Woche dabei sein und dafür sorgen, dass ich nicht verhungere und vom Rad kippe. Eine weitere Freundin hat sich mächtig ins Zeug gelegt und mir mit fast die komplette Organisation der finalen Etappe abgenommen. Außerdem habe ich einen sehr talenterten Grafiker gewinnen können, der meinem Team ein Crew-Shirt gezaubert hat. Darüber hinaus haben einige Freunde und Bekannte schon angekündigt, mich auf Teilstrecken begleiten zu wollen. Darauf freue ich mich schon sehr, denn auf Kilometer 1100 eines Triathlons mit nur einem Teilnehmer werde ich weiß Gott Ablenkung brauchen. Wer sich auf einer der Etappen dazugesellen möchte, ist herzlich willkommen. Natürlich freue ich mich auch weiter über Spenden, schließlich steckt hinter der „Eisernen Ruhr“ ja auch ein guter Zweck.

Hast du einen speziellen Ernährungsplan?

Stefan Thielen: Abgesehen davon, dass ich mich vegan ernähre – also auf alles Tierische verzichte, habe ich keinen besonderen Ernährungsplan. Unterwegs werde ich bevorzugt auf Energiegels und Smoothies aus Obst, allerlei grünem Gemüse, Nüssen, Kokosöl und Wasser zurückgreifen. Abends gibt es dann eine Gemüsepfanne mit Quinoa oder Bulgur als unterstützendem Getreide. Am meisten freue ich mich aber jetzt schon auf das erste Stück Apfelkuchen aus meinem Bochumer Lieblingscafé. Das gibt es aber erst an Tag acht.

Danke für das Interview! Ich wünsche dir das alles gut gehen wird, und halt uns auf dem Laufenden!

Stefan Thielen: Danke für die Möglichkeit, die ich hier bekommen habe!

Zu Stefans Blog im Internet

Fotos: Stefan Thielen

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