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Der ökologische Fußabdruck von Triathleten: Wie tief ist Deiner?

12. Februar 2016 von Christine Waitz

triathlon.deDer ökologische Fußabdruck ist ein zunehmend diskutiertes Thema. Jedes Ding, jeder Vorgang, und natürlich zuallererst wir selbst, haben so einen Fußabdruck. Der ökologische Fußabdruck ist ein Bild, das für unseren Ressourcenverbrauch steht. Alles, was wir nutzen und tun, rechnet man in diesen Wert ein. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Deutschen Sporthochschule Köln untersucht Aljosha Franken das Transport- und Reiseverhalten von aktiven Sportlern und Triathleten im speziellen. Wir haben uns mit ihm und seiner Dozentin über das Thema unterhalten.


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Wer Aljosha Franken bei seiner Arbeit unterstützen möchte, der kann sich wenige Minuten Zeit nehmen, um seine Umfrage zu beantworten.

Hallo Pamela, hallo Aljosha,
der Carbon Footprint, also ökologische Fußabdruck, was ist das genau? wie wird er ermittelt?

Pamela: Der Carbon Footprint ist ein Konzept aus der Umweltökonomie. Genau genommen handelt es sich dabei um die Landfläche, die benötigt wird, um das vom Menschen produzierte Kohlenstoffdioxid (CO2) aufzunehmen. Es geht hier um den verstärkten Treibhausgaseffekt und die durchschnittliche Erwärmung, welche diese Treibhausgase verursachen können. Da der Hauptanteil der Treibhausgase dabei auf CO2 entfällt, wird das in Kohlenstoffdioxid-Äquivalenten gemessen (CO2-e). Dieses Konzept wird eigentlich als Global Warming Potential (GWP) bezeichnet, aber der Volksmund sagt im Englischen Carbon Footprint (oder auch Ecological Footprint) dazu und im Deutschen eben Ökologischer Fußabdruck. Einfach ausgedrückt geht es um die Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die zB durch Transport- und Reiseaktivitäten entstehen können.

Da Sport im Allgemeinen und natürlich auch Triathlon im Speziellen viel mit Transport- und Reiseaktivitäten verbunden ist, habe ich mir gedacht, man könnte die dadurch entstehenden Kohlenstoffdioxidemissionen doch einmal messen bzw. abschätzen. Trainingswissenschaftliche und gesundheitliche Aspekte des Sports wurden ja schon hinlänglich untersucht, wohingegen Effekte auf die Umwelt noch nicht so stark im Forschungsfokus standen.

Foto: Christine Waitz, frei

Ich mache selbst seit mehreren Jahren Triathlon und man bringt ja über die Saison auch als Hobbysportler und Ligastarter im unteren Bereich schon einige Reisekilometer zusammen.  Deshalb habe ich eine größer angelegte Studie konzipiert, bei der um die 20 Sportarten untersucht, und dann im Hinblick auf den ökologischen Fußabdruck miteinander verglichen werden. Überdies sollen Faktoren herausgearbeitet werden, die sich positiv oder negativ auf die Höhe des ökologischen Fußabdrucks bzw. der Kohlenstoffdioxid-Emissionen auswirken. Mögliche Faktoren könnten in diesem Zusammenhang beispielsweise die Höhe der Liga, die Anzahl der Wettkämpfe oder Trainingslager und der Trainingsumfang sein.

Aljosha untersucht im Rahmen seiner Bachelorarbeit die Sportart Triathlon, da er bei uns an der Sporthochschule Sportmanagement studiert. Der Kontakt kam im Verein zustande – wir starten beide für das Kölner Triathlon Team 01. Bei der Umfrage geht es um die Erfassung der Kilometer innerhalb des letzten Jahres, die in Zusammenhang mit dem regelmäßigen wöchentlichen Training,  Wettkämpfen und Trainingslagern mit verschiedenen Transportmitteln (z.B. PKW, Straßenbahn, Zug, Flugzeug) zurückgelegt wurden. Diese Reisekilometer können dann mithilfe einer Tabelle vom Umweltbundesamt in Kohlenstoffdioxid-Emissionen umgerechnet werden. So kann der ökologische Fußabdruck jedes Teilnehmers der Umfrage berechnet werden. Natürlich handelt es sich hier um Schätzwerte, da man nicht jede Strecke auf den Kilometer genau angeben kann, aber ich denke, es ist ein erster guter Ansatz.

Aljosha, in deiner Bachelorarbeit fokussierst du dich unter anderem auf den ökologischen Fußabdruck von Sportlern. Bist du selbst sportlich aktiv?

Seit ich denken kann, ist Sport ein Kernthema in meinem Leben. Neben der aktiven Sportpartizipation hat mich das auch zum Studium (Sportmanagement & Kommunikation) an der Deutschen Sporthochschule in Köln bewogen. In dieser Zeit bin ich auch zum Triathlonsport gekommen, der mich seitdem eingenommen, und nicht mehr losgelassen hat. Vor dieser Zeit bin ich im Verein gelaufen und habe jahrelang Fußball gespielt.

Jörg Schüler, frei

Liga-Athleten mit hohem ökologischen Fußabdruck?

Triathleten haben nicht nur ein Faible für das neueste Material, sondern sind durchaus auch reisefreudig. Kannst du schon eine wage Einschätzung der Ergebnisse vornehmen, Pamela?

Ich würde vermuten, dass Leistungssportler, die z.B. Bundesliga starten, einen hohen Wert haben werden, aber auch engagierte Breitensportler, die zu Ironmanrennen ins Ausland reisen. Es bleibt abzuwarten, wie sich andere Faktoren wie Umweltbewusstsein, Sportmotivation, Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen darauf auswirken. Interessant dürfte auch der Vergleich der Sportarten werden. Wenn Sie möchten, können wir Ihnen auch gerne ein paar Ergebnisse zur Verfügung stellen.

Kaum jemand macht sich Gedanken, wenn er wieder einmal seinen Koffer packt und in das Trainingslager fliegt, oder während der Saison jedes Wochenende zu einem anderen Rennen fährt. Wie bist du darauf gekommen, dich ausgerechnet diesem Thema zu widmen?

Aljosha: Zunächst einmal wollte ich über ein Thema schreiben, das mich interessiert. Im ersten Schritt war die Eingrenzung dann schon einmal bei „Irgend etwas mit Triathlon“, da mich nicht nur die aktive Sportausübung von Triathlon fasziniert, sondern auch ein generelles Interesse für verschiedenste Fakten, Hintergründe, Trainingsmethoden, u.ä. vorhanden ist. Der zweite Schritt war dann sogar mehr oder weniger Glück: Aufgrund des breiten Interesses war ich relativ offen, was meine Themenwahl betraf. Zuerst wollte ich über „ökonomische Effekte von Triathlongroßveranstaltungen“ schreiben, aber da das wissenschaftlich schwierig umzusetzen ist, fiel dieses Thema weg. Wie der Zufall dann wollte, hat meine betreuende Dozentin genau in dem Zeitraum das jetzige Bearbeitungsthema ausgeschrieben. Dass das dann sogar ein höchst aktuelles und ökologisch relevantes Thema ist,  hat mich begeistert und ich habe mich sofort dafür entschieden.

Achtest du seither mehr auf deinen eigenen ökologischen Fußabdruck?

Aljosha: Ich bin aufgrund meiner jetzigen Lebenssituation (Student, ohne Auto, auf Fahrrad/ÖPNV angewiesen) in meinem Reiseverhalten, im Vergleich zu anderen Triathleten, eher eingeschränkt. Natürlich spielt für mich dieses Thema eine Rolle, aber da ich aufgrund der angesprochenen Situation sowieso zu 99% mit dem Fahrrad zum Training und in Fahrgemeinschaften zu Wettkämpfen o.ä. fahre, ist bei mir wahrscheinlich weniger Optimierungspotenzial vorhanden. Aber es gibt ja nicht nur sportbezogene Optimierungsmöglichkeiten, sondern auch unabhängig davon kann man einiges tun, um seinen ökologischen Fußabdruck klein zu halten.

Was kann Triathlet tun, um seinen Carbon Footprint zu verringern?

triathlon.de

Öfter’s mal auf’s Auto verzichten.

Aljosha: Ein Mensch kann so viele Sachen tun, um seine tatsächliche Klimabilanz zu verringern: Das fängt bei Licht ausmachen an, geht über Mülltrennung, bis zum Stehenlassen des Autos. Es geht nicht darum, aufzuzeigen, was ökologisch wertvolles Handeln im Generellen ist. Bezogen auf den Triathlon gibt es aber natürlich auch diverse Maßnahmen, um seinen CO2-Ausstoß so klein wie möglich zu halten: Wie bereits angesprochen: Fahrgemeinschaften (!) zu Training, Wettkämpfen, Trainingslagern.

Pamela: Überdies kann sich natürlich jeder Triathlet Wettkämpfe suchen, die in der Nähe sind. Das ist aber bei Ligastarts nicht möglich, da diese vom Verband vorgegeben werden. Ich muss zugeben, da habe ich mich manchmal schon gefragt, ob es wirklich sein muss, dass z.B. in der 2. Bundesliga alle nach Grimma, oder in den hohen Norden fahren müssen, damit sich dann nach über 500 Kilometern Fahrt viele Teams auf dem Parkplatz treffen (zB Köln, Bonn, Buschhütten, Witten, Aachen), die zu Hause in einem Umkreis von 80 Kilometern liegen. Mir ist aber auch bewusst, dass durchaus verschiedene Kriterien bei der Vergabe von Ligaorten eine Rolle spielen. Aber ich denke, das wäre ein Punkt, dem man vielleicht zukünftig etwas mehr Beachtung schenken könnte.

Vielen Dank für das interessante Interview! 

Wer Aljosha Franken bei seiner Arbeit unterstützen möchte, der kann sich wenige Minuten Zeit nehmen, um seine Umfrage zu beantworten.

Fotos: triathlon.de, Jörg Schüler

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