Das Crossrad: Multifunktional oder nichts Halbes und nichts Ganzes?
Wer als Triathlet beim Training nach Alternativen für seine Zeitfahrmaschine sucht, landet entweder auf dem Rennrad oder auf dem Mountainbike. Seit einigen Jahren rückt eine dritte Möglichkeit stetig weiter in den Vordergrund. Mit Crossrädern soll man in gewohnter Sitzposition auch Waldwege und Trails unsicher machen können.

Cyclocrossräder, kurz „Crosser“ genannt, waren ursprünglich für den Einsatz in Querfeldeinrennen gedacht. Als Trainingsrad für´s Gelände bekommen sie zunehmend mehr Aufmerksamkeit im Triathlonsport.
Crossrad = Rennrad mit Stollenreifen?
Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Crossrad kaum von einem klassischen Rennrad. Bei genauem Hinsehen fallen Stollenreifen, stabile Speichenfelgen und Cantileverbremsen auf. Diese lassen sich meist von zwei zusätzlichen Bremsgriffen am Oberlenker bedienen. Weitere Unterschiede finden sich in der Rahmengeometrie, welche ein kürzeres Oberrohr und ein längeres Steuerrohr aufweist. Dies ermöglicht eine aufrechte Fahrposition. Sitz und Lenkwinkel sind flacher als beim Rennrad, was einen längeren Radstand und eine Sitzposition bedingt, die sich weiter über dem Hinterrad befindet.
Durch den Einsatz einer Kompaktkurbel und eines 12-28er Ritzelpakets ist die Übersetzung ans Gelände angepasst. Um Tragepassagen im Renneinsatz zu erleichtern, befindet sich die Zugführung auf der Oberseite des Oberrohrs. Wie beim Rennrad gilt auch bei Crossern: Den Variationen in Sachen Werkstoff, Ausstattung und Geometrie sind fast keine Grenzen gesetzt.
Vor und Nachteile: Schwer zu stoppendes Allroundtalent
Der große Vorteil des Crossrads ist seine Flexibilität. Mit Stollenreifen kann man Singletrails und Schotterpisten unsicher machen oder mal eine Ausfahrt bei schlechter Witterung wagen. Am Berg erleichtern Geometrie und Übersetzung das Klettern. Wählt man ein gemäßigtes Profil mit flacher Lauffläche und einem Saum aus Stollen, fühlt man sich auf Wald- und Feldweg sowie auf kurzen Strassenpassagen wohl. Reifenbreiten von bis zu 35 Millimeter sind nur mit einem Crosser möglich, da auch die Gabel mehr platz bietet, als eine klassiche Rennradgabel. Für den Strasseneinsatz macht ein zusätzlicher Laufradsatz mit klassischer Bereifung und anderem Ritzelpaket aus dem „Offroad-“ ein „Onroadbike“.
Die Unterschiede im Aufbau bieten nicht nur Vorteile. Der größte Nachteil des Crossers sind seine Bremsen. Die fast immer verbauten Cantileverbremsen bieten eine schlecht zu dosierende und insgesamt schwache Bremskraft. Was auf Waldwegen nicht stark ins Gewicht fällt, wird spätestens auf der Strasse offensichtlich. Bedingt nicht die mangelnde Haftung des Untergrunds, sondern die verbaute Technik die Bremskraft, stößt man in brenzligen Situationen schnell an deren Grenze. Allerdings würde eine klassische Rennradbremse Probleme mit den dickeren Crossreifen bekommen, das heisst man würde den Reifen nur schwer oder indem man die Luft ablässt eingebaut bekommen.
Ein weiterer Nachteil ist das oft beschriebene „Schubbern“ der Beläge auf der Felgenflanke, was ein nicht ungefährliches Bremsstottern auslösen kann. Bauartbedingt sind Crosser schwerer als Rennräder mit vergleichbarer Ausstattung. Triathleten können bei Montage eines Aufliegers die Zusatzbremshebel nur bedingt nutzen.
Fazit
Multifunktional ist ein Crosser in jedem Fall. Freundet man sich mit der aufrechteren Sitzposition und dem höheren Gewicht an, steht dem Ausritt abseits- und auf der Strasse nichts im Wege. Speziell beim Wintertraining in heimischen Gefilden bietet dies einige Vorteile. Wer jedoch unter dem rustikalen Outfit ein Rennrad erwartet, wird enttäuscht. Auf der Strasse ist ein Crosser einem Rennrad in Sachen Handling und Sportlichkeit nicht gewachsen.










