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Alt 19.07.2008, 16:30   #1
Ralph
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Doping - mir reichts

Hallo zusammen,

mir reichts. Die Berichterstattung in der Süddeutschen am Samstag endet mit den Worten, dass wir, das Publikum, endlich wieder auf einem sauberen Sport hoffen. Das langweilt mich.

Ich bin gegen Doping. Ich habe nie gedopt und will auch niemals dopen. Das sage ich so klar, damit das, was ich jetzt schreibe nicht als Statement pro Doping missverstanden wird.

Ich glaube, dass unsere Medien diese scheinheilige, moralisch-ethische Aufklärungskampagne aus reiner Sensationslust führen. Es geht nicht um sauberen Sport, sondern allein um Reichweiten, Abverkäufe und letzlich viel Geld, das die Medien damit verdienen. Eine Lösung wird nicht angeboten.

Die Darstellung
Nicht-Sportlern wird weiss gemacht, dass sich die Sportler einfach ein paar Drogen reinpfeifen und der, der das meiste genommen hat, gewinnt dann.
Das das Doping am Ende nur eine Parallelverschiebung der Leistung aller (ich gehe davon aus, dass alle dopen, s.u.) ist und das jeder Sportler, insbesondere wenn er sich in der Weltspitze bewegt, extrem hart dafür trainieren muss, ob gedopt oder nicht, wird nicht gesagt.

Die Gesundheit
Als Grund gegen das Doping werden immer die Folgen für die Gesundheit beschrieben. Das Hochleistungssport grundsätzlich gesundheitsschädlich ist und diese Risiken von jedem Sportler bewusst eingegangen werden, wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.
Ich finde, dass dopende Sportler, ein ungeeignetes Vorbild für unsere Kinder sind. Aber dieses Argument hört man eigentlich nur sehr selten.

Spieltheorie oder warum sollte der Sport besser sein?
(Fast) jeder von uns hat sich schon mal am Morgen vor der Arbeit seine Aspirin genommen. Wer hat denn am Abend schon mal das Schlafmittel genommen oder welche anderen Medikamente oder Drogen habt ihr oder eure Kollegen schon mal genommen, damit ihr in eurem Job gut oder perfekt funktionieren könnt. Wer hat sich vielleicht schon mal bewusstseinserweiternde Drogen für Lernphasen oder beruhigende Medikamente für Prüfungs- oder Präsentationsphasen verabreicht...ich frage mich, warum sollte ein Sportler, der sich im Grenzbereich seiner Leistungsfähigkeit bewegt und gewinnen will, nicht genau das gleiche Verhalten an den Tag legen wie jeder von uns.
Die Dopingliste ist übrigens nicht fixiert. Sie verändert sich ständig. Stoffe die heute erlaubt sind, sind vielleicht morgen verboten und umgekehrt.
Und letzlich will ich noch mal die Spieltheorie anführen. Gefangendilemma: zwei Gefangene werden getrennt verhört, weil sie gemeinsam eine Tat begangen haben. Das Ergebnis wird für die Gefangenen immer die Loose-Loose Situation sein, weil jeder annimmt, dass der andere gesteht und er selber damit die Höchstrafe bekommt. In der Regel gestehen dann beide.
Auf den Sport übertragen bedeutet das, wenn ein Sportler davon ausgehen muss, dass die anderen dopen, hat er die Wahl zwischen seinen Hobby/Beruf aufgeben, mit zu dopen oder immer hinterher zu fahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle, die noch mitfahren dopen (zumindestens im Profisport) ist daher extrem hoch. Der Sportler hat letzlich eine Wahl, bei der er nur verlieren kann. Nicht vergessen, die meisten Sportler betreiben ihren Sport ja mit Leidenschaft.

In jedem Wettbewerb, den Menschen bestreiten versuchen sie, sich Vorteile zu verschaffen. Manche mit erlaubten, andere mit unerlaubten Mitteln. Warum sollte das im Sport anders sein?

Die Leistung
Die Fahrer/Sportler, z.B. bei der Tour, sind alle erwachsen. Sie sind für sich und ihre Gesundheit selbst verantwortlich und müssen auch selbst entscheiden, was sie tun. Freier Wille.
Ich finde die Leistung der Sportler, ob gedopt oder nicht, beeindruckend. Ich kann mir ungefähr vorstellen, wieviel man dafür trainieren und ertragen muss. Für mich kommt es nicht in Frage, aber mir ist es eigentlich egal ob gedopt wurde. Den Leistungsunterschied können wir, glaube ich, ohnehin nicht wahrnehmen. Ob bei der Tour ein Berg nun mit 20 oder 23 km/h hochgefahren wird ist mir egal und die Leistung ist in beiden Fällen eh der Wahnsinn.

Fazit
Ich bin gegen Doping. Ich glaube aber, dass überall in der Weltspitze gedopt wird, weil einfach der Druck so hoch ist. Ich verstehe nicht, warum ein Sportler insbesondere ein Berufssportler besser sein soll als jeder andere Mensch. Und ganz besonders finde ich die Diskussion in unserem Medien was das Doping angeht scheinheilig und falsch. Ich glaube, hier wird ein Hype gemacht und Sensationslust geschürt, um Geld zu verdienen.
Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht wirklich weiss, wie man aus dem Dilemma Doping herauskommen soll.

Was meint denn Ihr?
R.
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Alt 20.07.2008, 22:14   #2
Thilo69
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Re: Doping - mir reichts

Ein heißes Thema, zu dem ich vorallem zwei Dinge sagen muss:

1.DOPING ist Betrug! Ob das nun jeder macht oder nur einer, ist dabei vollkommen unwichtig. Ist beim Windschattenfahren übrigens ganz ähnlich. Und wenn es alle tun, solange die Regeln das verbieten, werde ich es nicht tun. Mal abgesehen davon, dass ich sofort mit Triathlon aufhören würde, wenn Windschattenfahren erlaubt werden würde. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

2.Wer auch immer dafür verantwortlich ist, ich habe den Spaß an der Tour de France verloren. Sie interessiert mich nicht mehr. Vor einigen Jahren noch hätte ich das nicht für möglich gehalten. Ich hab früher Feierabend gemacht, um mir eine spannende Bergetappe anzusehen oder eine Zeitfahren. Das ist vorbei! Ich könnte noch nicht mal sagen, wie die ganzen Teams und Ihre Stars heißen, die bei der TdF 2008 starten. Oder gestartet sind? Ich weiß nämlich noch nicht mal mehr, wann sie zu Ende geht, wer führt etc...! ES INTERESSIERT MICH NICHT MEHR! Und daran ist nur das Doping schuld!!! Klar haben sich die Medien auf das Thema gestürzt und lassen jetzt nicht mehr los. Aber das ist nun mal unsere Medienlandschaft.

Gottlob ist Doping im Triathlon noch nicht so weit verbreitet. Zumindest hört man recht selten davon. Der einzige Fall, der mir bekannt ist, war der von Lothar L. und selbst hier konnte man ja kein Doping nachweisen. Auch wenn das Ganze einen etwas seltsamen Beigeschmack hatte.
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Alt 23.07.2008, 23:35   #3
imported_willi
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Re: Doping - mir reichts

Grundsätzlich bin ich gegen Doping und auch dafür dass Sünder bestraft werden. Was mir allerdings gegen den Strich geht, ist dies scheinheilige Gehabe von anderen Sportlern, wenn jemand erwischt wird, was für ein schlechter Mensch dieser Sportler doch ist und ein halbes Jahr später selbst erwischt zu werden oder in einer allgemeinen Flut von Geständnissen genau soviel zuzugeben, dass man selbst als reumütiger aber geläuterter Sportler dasteht (irgendwie fällt mir hier immer das ganze Spektakel um Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag und der Rest vom ehemaligen Team Telekom ein). Ich empfehle zuerst vor der eigenen Tür zu kehren.

Die Aussage von Thilo69 :"Gottlob ist Doping im Triathlon noch nicht so weit verbreitet. Zumindest hört man recht selten davon. Der einzige Fall, der mir bekannt ist, war der von Lothar L. und selbst hier konnte man ja kein Doping nachweisen. Auch wenn das Ganze einen etwas seltsamen Beigeschmack hatte." halte ich allerdings für gewagt. Auch hier gibt es Beispiele, allein bei den Deutschen kann man Nina Kraft und Jürgen Zäck als solche anführen. Aber Faris al Sultan hat ja mal gesagt auf der Langstrecke bringe Doping eh nichts was mir allerdings nicht ganz klar wird den Radsportlern scheint es ja auch was zu bringen und die sind auch 6 Stunden und mehr unterwegs.

Ich habe Anfang des Jahres an einer Umfrage teilgenommen wie verbreitet Doping im Breitensport ist und das Ergebnis war erstaunlich und ist hier zu sehen:
http://www.fitforlife.ch/pages/index...srub=100212721
hierin wird deutlich, dass im Breitensport viele gar nicht wissen was sie alles nehmen, und was schon unter Doping fällt.
Dies halte ich für viel gefährlicher als Doping im Spitzensport, wo doch sehr viel durch Ärzte überwacht wird, wohingegen sich der Amateur einfach irgendwas "reinpfeift" ohne irgendwelche Medizinische Betreunug

Nicht desto trotz denke ich aber auch, dass Doping nicht unbedingt Wettbewerbsverzerrung ist, da ich die für weit verbreitet in der Weltspitze halte und Somit Jan Ullrich damals nicht einmal gelogen hat, als er sagte er habe nie einen anderen Athleten betrogen und er wird die Tour nicht gewonnen haben, weil er im Liegestuhl gesessen hat und sich auf Doping verlassen hat, sondern er wird trotz dessen hart trainieren haben müssen.

Kurz ich finde Dopingsünder sollen bestraft werden, aber nicht zu Schwerverbrechern oder Unmenschen degradiert werden, denn dieses Verhalten ist wie von Ralph gesagt eigentlich nur menschlich.
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Alt 24.07.2008, 08:23   #4
Thilo69
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Re: Doping - mir reichts

Kraft und Zäck hatte ich offensichtlich erfolgreich verdrängt. Wohl auch deswegen, weil Triathlon eher eine Randsportart ist und nicht so in den Medien präsent.

Natürlich gab es auch im Triathlon entsprechende Fälle und sicher wird da in der Spitze genauso gedopt, wie auch im Radsport. Aber die öffentliche Wahrnehmung (und auch meine) ist halt anders.
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Alt 24.07.2008, 10:38   #5
Ralph
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Re: Doping - mir reichts

Luc van Lierde (genannt Epo Luc) nicht überführt, aber überraschend aus Hawaii abgereist, als bekannt wurde, dass auf EPO getestet wird.

Rutger Beke, positive A-Probe, vor Gericht Startrecht erstritten.
...die Liste kann man wahrscheinlich beliebig fortsetzen.

Komisch finde ich auch, dass die Weltbestzeiten alle in der Mitte der 90er aufgestellt wurden, als Epo im Spitzensport angekommen aber noch nicht nachweisbar war.
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Alt 24.07.2008, 11:01   #6
Thilo69
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Re: Doping - mir reichts

Zitat:
Zitat von Ralph
Komisch finde ich auch, dass die Weltbestzeiten alle in der Mitte der 90er aufgestellt wurden, als Epo im Spitzensport angekommen aber noch nicht nachweisbar war.
...und jetzt gabe es aktuell eine neue Weltbestzeit bei den Frauen! Ich mag gar nicht weiter denken!
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Alt 24.07.2008, 11:07   #7
imported_Svenni
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Re: Doping - mir reichts

Naja nicht jede Wletbestzeit ist auf Doping zurückzuführen. Man sollte nicht den Fehler machen, alles mit Doping in Verbindug zu bringen. THomas Hellriegel hat auf Tri-Mag.de bei Triathlon TV eine gute Begründung abgegeben, warum bei den Frauen neue Bestzeiten zu erwarten sind.

Gruß aus Hamburg
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Alt 29.07.2008, 16:08   #8
imported_speedy
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Re: Doping - mir reichts

ja, das finde ich auch. nicht alle Leistungen sind durch Doping zu erklären. Stellt euch mal vor, ihr liefert einen super Wettkampf ab und alle winken nur ab und sagen:" och, der hat doch eh nur gedopt."
bei aller skepsis sollte man nicht vergessen, dass die meisten Sportler ihren Sport mit Leidenschaft betreiben, hart dafür trainieren und vielleicht auch auf vieles verzichten.
S.
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Alt 01.08.2008, 19:04   #9
imported_speedy
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Re: Doping - mir reichts

sorry, aber ich muss meine letzte Aussage überdenken.
Ich find's doch komisch, wenn Frauen Leistungen erbringen, die physiologisch fast unmöglich sind. s. auch http://www.3athlon.de/news/2008/08/0108 ... iniert.php
Bei einem Berg-Triathlon solltenTriathleten mit günstigem Kraft-Masse-Verhältnis bevorzugt sein. Hier wird eine Frau 2. (Gesamt!!!), die klein und zierlich ist....schon krass.
S.
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