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Bike Fitting: Einfach besser Rad fahren!

1. Februar 2018 von Stephan Schepe

Stephan Schepe, freiDie Einstellung der optimalen Sitzposition hat oftmals einen größeren Einfluss auf die Radleistung als alle Komponenten-Upgrades (Aero-Laufräder, Leichtbauteile, etc). Beim Bike Fitting geht es darum „Mensch und Maschine“ zusammenwachsen zu lassen und optimal aufeinander abzustimmen. Die richtige Sitzposition ist jedoch nicht universell, sondern individuell. Daher berücksichtigt ein gutes Bike Fitting auch beides: Fahrer und Fahrrad.


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Bevor es losgeht…

Bevor es überhaupt losgeht, sollte bei einem guten Bike Fitting zunächst die Ausgangslage analysiert werden:

– Um welchen Typ Fahrrad handelt es sich und welche grundlegende Sitzposition ist damit verbunden?
– Rennrad/Rennrad mit Lenkeraufsatz/Triathlonrad?
– Stimmt die Rahmengröße oder ist das Rad zu groß bzw. zu klein?
– Wie sind die Körpermaße des Fahrers/der Fahrerin?
– Gibt es anatomische Besonderheiten, Einschränkungen oder sogar schon konkrete Schmerzsymptome?
– Wie ist der radspezifische Trainingszustand und welche sportlichen Ziele verfolgt der Sportler/die Sportlerin?
– …

Stephan Schepe, frei

Diese und weitere Fragestellungen sollten auf jedem Fall vor Beginn (im Gespräch oder per Fragebogen) besprochen werden, denn ansonsten erfolgt die Anpassung ohne Grundlage und ist daher wenig zielführend. Zusätzlich zur Vermessung des Sportlers/der Sportlerin können als weiterführende Maßnahmen im Vorfeld des eigentlichen Bike Fittings funktionelle Kraft- und Beweglichkeitstests dem Experten zusätzlichen Aufschluss über den aktuellen Funktionszustand des Athleten geben. Diese Untersuchungen sind insbesondere bei extremen Sitzpositionen (aggressive Zeitfahrposition) oder dem Vorhandensein konkreter Schmerzen zu empfehlen.

 
Ablauf

Auf Grundlage dieser Informationen kann das eigentliche Bike Fitting nun beginnen. In der Regel handelt es sich um ein „dynamisches“ Fitting, d.h. der Sportler/die Sportlerin soll möglichst realistisch in der Fahrsituation abgebildet werden. Dazu fährt der Athlet mit seinem Rad zumeist auf einem Rollentrainer und wird nun aus verschiedenen Perspektiven analysiert. Im Fokus stehen für den Experten dabei einerseits vortriebswirksame Parameter, z.B. Kraftübertragung, Tritteffektivität, Aerodynamik, Stabilität und Gewichtsverteilung. Andererseits sind diese aber immer wieder auf ihre anatomisch-funktionelle Belastungsstruktur zu überprüfen (Achsenstabilität, Gelenk- und Wirbelsäulenbelastung).

Stephan Schepe, freiDer Sportler/die Sportlerin wird nun im Hinblick auf diese Einflussfaktoren Schritt für Schritt vermessen. Dies geschieht oftmals sehr vielfältig: neben Zollstock, Wasserwaage, Winkelmessgerät und Pendellot können hier ebenso Laserlinienmessgerät, Hochgeschwindigkeitskameras, Vermessungssoftware oder Druckmessgeräte zum Einsatz kommen.

 

Das Wichtigste Analysetool ist jedoch das geschulte Auge des Bike Fitters. Er/sie kann z.B. Winkelstellungen interpretieren, Veränderungsbedarf ableiten und diesen dann auch in die richtigen Einstellung des Fahrrads umsetzen.

triathlon.de, frei„So geht es bei den eigentlichen Einstellungen am Fahrrad (Sitzhöhe, Sattelposition, Lenkereinstellung, etc.) nicht um das Rad an sich, sondern darum, beim Fahrer/der Fahrerin eine biomechanisch optimierte Veränderung in der Sitzposition zu bewirken (Hebelverhältnisse, Winkelstellungen, Stabilität, etc.).“

Je mehr Stellschrauben das System besitzt, desto komplexer ist dieser Prozess. Wichtig dabei: nur eine Veränderung nach der anderen durchzuführen. Nimmt man gleich mehrere Einstellungen gleichzeitig vor, lassen sich die positiven oder negativen Effekte nur schwer zuordnen. Grenzen der Optimierung werden dabei manchmal durch die Einstellbarkeit des Fahrrads oder einzelner Komponenten (z.B. Vorbau, Lenkeraufsatz, Sattelstütze) erreicht. In diesen Fällen kann ein Komponententausch durchaus sinnvoll sein, um die gewünschte Sitzposition in Bezug auf Kraftübertragung, Aerodynamik oder Komfort überhaupt erst zu ermöglichen.

 
Der richtige Sattel?

Slee Italia Produktbild, freiAuch der Sattel spielt beim Bike Fitting im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Rolle. Unterschiedliche anatomische Voraussetzungen, aber auch unterschiedliche Sitzpositionen führen zu deutlichen Veränderungen in der Auflagefläche und Gewichtsbelastung auf dem Sattel – und daher auch zu einer individuell völlig unterschiedlichen Wahrnehmung eines Sattels. Ein gewisser Grad an „Abhärtung“ des Hinterns muss beim Radfahren grundsätzlich vorausgesetzt werden, allerdings ist die optimale Sitzposition auch unmittelbar von einem passenden und „verträglichen“ Sattel abhängig. Eine gute Sattelberatung und die Möglichkeit, Sattelalternativen zu testen, stellen daher auch ein wichtiges Element eines guten Bike Fittings dar.

 
Die optimierte Sitzposition

Am Ende des Bike Fittings sollte der Fahrer/die Fahrerin in der Lage sein, sich in der getroffenen Einstellung „wiederfinden“ zu können. Veränderungen sind zunächst ungewohnt, da der Körper oftmals anderen Kraft- und Hebelverhältnissen ausgesetzt ist, anders belastet wird – eine gewollte Veränderung, die sich aber nicht unangenehm anfühlen sollte! Abschließend wird das Fahrrad noch einmal vermessen, Maße und Einstellungen werden protokolliert. Eine ausführliche Auswertung geht zusätzlich auf die einzelnen Schritte des Bike Fittings ein, erklärt die Auswirkung der getroffenen Veränderungen (z.B. Vorher-Nachher-Vergleich) und gibt ggf. weiterführende Trainingshinweise.

triathlon.de, freiZum Autor: Stephan Schepe ist Sport- und Trainingswissenschaftler. Als Bike-Fitting-Experte und Spezialist für Leistungsdiagnostik betreut den Bereich Training, Diagnostik und Bike Fitting.

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Fotos: triathlon.de, Project Echelon Racing, Selle Italia


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